Hartmannsdorf – Neuen

Hartmannsdorf (Jaczków) liegt im nordöstlichen Teil des früheren Kreises Landeshut und gehört heute mit seinen 489 Einwohnern zur Landgemeinde Czarny Bór (Schwarzwaldau).  Gegründet wurde der Ort 1305 unter dem Namen “Hartmannsdorff”. Die Namen des bzw. der ersten Besitzer sind nicht bekannt. Erst ab 1575 lassen sie sich nachweisen:

  • 1575                             Brandau von Zedlitz
  • 1626                             Christoph von Ruprecht
  • 1654                             George Kaspar von Warnsdorf
  • seit 1740                      Samuel von Richthofen
  •      -                               Herr von Kluge
  •      -                               Herr von Stutterheim
  •      -                               Oberamtspräsident Freiherr von Seidlitz

Zur Gemeinde Hartmannsdorf gehörten die Kolonien Bahnhof Ruhbank, umfassend die Nrn. 88, 90, 92 und 94, das Stationsgebäude sowie 4 Familienhäuser und Seidlitzau. Mit Ausnahme der Kolonie Bahnhof Ruhbank, die zum größten Teil von Beamten und Bahnarbeitern bewohnt wurde, war es ein reines landwirtschaftlich geprägtes Dorf.

Der Vorgängerbau der Ortskirche wurde zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert errichtet. Die jetzige Kirche entstand um 1586. Im Rahmen der Rekatholisierung wurde sie am 12.02.1654 den katholischen Bewohnern übereignet. Sie wurde später eine Filialkirche des Pfarrbezirkes Giesmannsdorf, Kreis Bolkenhain. Die Kirche besitzt einen sehenswerten Altar, ein Meisterwerk der Holzbildhauerei des 16. Jahrhunderts. Als Stifter sind genannt Fabian von Reichenbach und Anna von Cetritz. In die inneren Wände des Kirchenschiffes eingesetzte Steinplatten mit Inschriften und Wapenschmuck berichten, dass Fabian von Reichenbach 1615 gestorben ist und mit anderen Angehörigen seines Geschlechts hier begraben liegt. Die evangelische Bevölkerung gehörte ab 1709 zur Gnadenkirche in Landeshut.

Das einen Gutsbezirk bildende Dominium Hartmannsdorf gehörte dem Rittergutsbesitzer Joh. Rahm und wurde, wie alle übrigen Gutsbezirke auch, am 1. Oktober 1928 in die Gemeinde Hartmannsdorf eingegliedert. 1925 zählte der Ort 765 Einwohner (davon waren 677 evangelisch), 1939 = 812.

Haselbach (Leszczyniec) liegt 12 km südwestlich von Landeshut an der früheren Eisenbahnstrecke Landeshut – Schmiedeberg. Der ca. 500 Einwohner zählende Ort gehört heute zur Landgemeinde Kamienna Góra. Das Dorf zieht sich zwischen bewaldeten Berghängen hin, in der Nähe befinden sich der Vogelberg und der Wolfsberg. Erstmalig urkundlich erwähnt wird Haselbach im Jahr 1349. Damals führt der Ort den Namen “Hazilbach”. In diesem Jahr erwarb das Kloster Grüssau unter Abt Nikolaus II. die “villam Hazilbach” für 34 Mark Prager Groschen von Apetzko von Wederau. Später wechselte der Ort mehrfach den Besitzer. Im 15. Jahrhundert war Haselbach im Besitz einer Familie, deren Name in den Urkunden in den verschiedensten Schreibweisen auftaucht: Molberg, Mühlbergh o. ä. 1547 war Haselbach bereits ein Teil des Berggutes Schmiedeberg und im Besitz der Grafen von Schaffgotsch. Lange Zeit war der Ort in zwei gesonderte Verwaltungseinheiten geteilt, in Nieder-Haselbach und Ober-Haselbach.

Katholische Kirche in Haselbach

Haselbach war der einzige Ort im gesamten Landkreis, der für einen kurzen Zeitraum über drei Kirchen verfügte. Die katholische Kirche St. Bartholomaei  wurde im Jahr 1593 errichtet. Es handelt sich um eine mittelalterliche Kirche, die von einem Friedhof umgeben ist. Das Eingangstor des Friedhofs stammt aus dem Jahr 1687. Nach der Reformation wurde die Kirche den evangelischen Bewohnern zuge-sprochen. Beide Konfessionen hielten aber ihre Gottesdienste ab. Als die Kirche am 6. Februar 1654 im Rahmen der Rekatholisierung den Protestanten weggenommen wurde, war St. Bartholomaei seit diesem Zeitpunkt wieder ein rein katholisches Gotteshaus und blieb es bis zur Vertreibung.

Am 30. Mai 1742 bekam die evangelische Kirchengemeinde die Erlaubnis zum Bau einer Kirche und am 28. Oktober 1742 wurde das Bethaus eingeweiht. Zunächst war es ein sehr schlichter Holzbau, bei dem sich sehr bald viele Mängel einstellten. Am 10. Mai 1751 wurde der Grundstein zur jetzigen Kirche gelegt und das hölzerne Gebäude ummauert und mit einem richtigen Kirchendach versehen. In den Jahren 1753/54 erfolgte der Bau des Kirchenturmes. Das Kirchspiel umfasste folgende 9 Ortschaften: Ober-Haselbach, Nieder-Haselbach, Dittersbach städt., Eventhal-Moritzfelde, Hohenwaldau, Neu-Weißbach, Pfaffendorf, Rothenzechau nebst Kolonien und Antheil-Schreibendorf.

Die freie evangelische Gemeinde entstand am 29. Oktober 1849. Der damalige evangelische Pfarrer Schmidt wurde aus politischen Gründen am 17. Juni 1849 von seinem Pfarramt enthoben. Er hatte dem Landtag als Mitglied der äußersten Linken angehört, in der Umgebung seines Amtssitzes eine rege politische Redetätigkeit entwickelt und war mehrere Jahre Leiter des demokratischen Vereins in Schmiedeberg. Unter militärischem Schutz verkündete am 3. Sonntag nach Trinitatis der Superintendent Bellmann die Suspendierung in der trotz schriftlicher Einladung aller evangelischen Bewohner fast leeren Kirche zu Haselbach. Obwohl sich Pfarrer Schmidt gegen diese Maßnahme heftig wehrte, wurde die Suspendierung nicht aufgehoben. Am 20. Oktober 1849 erließ er einen Brief an seine Gemeinde  mit der Folge, dass diese ihm am 29. Oktober 1849 mitteilte, dass sie gemeinsam mit ihm aus der Landeskirche austreten wolle. Die Chronik besagt, dass nur 12 Familien des Ortes bei der Landeskirche blieben. Am 31. Oktober 1851 wurde eine eigene Kirche eingeweiht und Pfarrer Schmidt erhielt auch ein eigenes Pfarrhaus. Aber im Laufe der Jahre fanden immer mehr Gemeindemitglieder ihren Weg zur Landeskirche zurück. Bereits ab 1892 wurde die Kirche nicht mehr benutzt. Die endgültige Auflösung  der “freien evangelischen Gemeinde” erfolgte 1910.

Blick auf die Porzellanfabrik

Im Jahr 1892 wurde in der ehemaligen Kirche der “freien evangelischen Gemeinde” eine Zweigstelle der Porzellanfabrik der Gebr. Pohl in Ober-Schmiedeberg gegründet. Das Kirchengebäude stand leer und war sehr gut erhalten. Für den Ort Haselbach sowie für die Nachbardörfer war die neue Fabrik ein großer Gewinn, weil damit Arbeitsplätze geschaffen wurden. Später wurde auf dem früher zur Kirche gehörenden Friedhof ein Neubau errichtet.

In Haselbach gab es sowohl eine evangelische als auch eine katholische Schule, die aber 1934 aufgelöst wurde. Ab diesem Zeitpunkt besuchten die Kinder beider Konfessionen die evangelische Schule im Oberdorf.

Einwohnerzahl: 1925 = 735 (davon 659 evangelisch), 1939 = 812.

Hermsdorf städt. (Jarkowice), idyllisch in die Vorberge des Kolbenkammes eingebettet, zieht sich zu seinem größten Teil an der Liebau-Schmiedeberger Chaussee und dem Goldbach hin, während ein kleiner Teil dem Lauf des Silberbaches folgt. Die Namen Gold- und Silberbach, sowie die Bezeichnung “Hüttenhübele” deuten darauf hin, dass hier in früherer Zeit Gold und Silber gefunden wurden.

Erstmalig erwähnt wird der Ort 1394 unter dem Ortsnamen “Hermansdorf”. Über die Grundherren ist wenig bekannt. Zeitweise war er im Besitz der Familie von Schaffgotsch, die im 16. Jahrhundert ein Schloss errichten ließ. Bis 1720 gehörte der Ort dem Graf von Czernin, danach der Kämmerei zu Schmiedeberg.

Die 1395 gegründete Kolonie “Klette” war ein Ortsteil von Hermsdorf städt. und lag im oberen Teil des Goldbachtales, von allen Seiten vom Wald umschlossen. Hier wohnten viele Zollbeamte, für deren Familien 1937 moderne Wohnhäuser errichtet wurden.

Am 1. Oktober 1928 wurden folgende Gutsbezirke in die Gemeinde Hermsdorf städt. eingegliedert:

  1. Das Restrittergut, welches bis zur Eingliederung der Stadt Schmiedeberg gehörte.
  2. Das Forstgut, das früher unter der Verwaltung der Königlichen Hofkammer stand und zur Oberförsterei Arnsberg gehörte.

Die zuständigen Kirchen beider Konfessionen befanden sich in Michelsdorf.

Das Schulgebäude in Hermsdorf städt.

In den Kriegsjahren 1915/16 erhielt Hermsdorf städt. ein neues Schulgebäude. Die einklassige Schule im Ortsteil Klette wurde damals aufgelöst und alle Kinder des Ortes konnten nun die neue dreiklassige Schule besuchen.

Einwohnerzahl 1925 = 905 (davon 686 evangelisch), 1939 = 951. Heute hat der Ort 440 Einwohner und gehört zur Landgemeinde Lubawka.

Johnsdorf (Janiszów) liegt zwischen Landeshut und Nieder Blasdorf und gehört heute zur Landgemeinde Kamienna Góra. Erstmalig erwähnt wird Johnsdorf im Jahre 1292. Damals führte der Ort den Namen “Janisbach”. Der zuständige Grundherr war das Kloster Grüssau. Später wechselte der Ort mehrfach die Besitzer:

  • vor 1740                          Philipp Anton Baron von Hayn
  •       1740                          Baron von Zedlitz
  • danach                            Freiherr von Langenthal

Johnsdorf bildete eine eigene Landgemeinde und gehörte seit 1874 zum Amtsbezirk Nieder Blasdorf, der am 31.05.1929 in Blasdorf bei Liebau umbenannt wurde. Zuständiges Kirchspiel sowohl für die katholischen als auch für die evangelischen Bewohner war Landeshut.

Einwohnerzahl 1925 =  395 (davon 366 evangelisch), 1939 = 405. Die Bewohner des Ortes waren überwiegend in der Landwirtschaft tätig, ca. 55 %. Nur 15 % betrieben einen Handel oder ein Gewerbe.

Kindelsdorf (Dobromysl) liegt 3 km nordöstlich von Schömberg und gehört heute zur Landgemeinde Kamienna Góra. Geschichtlich erwähnt erstmalig 1289 als “wüstes Dorf Kindisdorf”. Der damalige Grundherr war Herzog Bolko I. Später ging das Dorf in den Besitz des Ritters Frisco von Tannenberg über, der es 1332 für 14 Markgroschen an den Grüssauer Abt Heinrich verkaufte. Es bestand damals nur aus einem Hof oder einem Vorwerk. Über 200 Jahre später, im Jahre 1545, überließ der Grüssauer Abt Johannes V. dieses Vorwerk dem Glasermeister Friedrich, der auch bald eine Glashütte errichtete. Diese blieb bis 1600 im Besitz der Familie. Nachfolger wurde ein Martin Jakob und danach die Glasmacherfamilie Schürer. Für das Jahr 1616 ist Kaspar II. Schürer “von Waldheimbh” nachgewiesen, der 1622 als “Edler Herr zu Kindelsdorf” bezeichnet wird. Nach dessen Tod  verkaufte seine Witwe das wegen des 30jährigen Krieges heruntergekommene Hüttengut 1632 an das Grüssauer Kloster.

Das Dorf besteht aus zwei Teilen, dem eigentlichen Dorf (Nrn. 1 bis 53, 72, 73 und 74) und der “Dürren Wiese” (Nrn. 54 – 71). Im Jahre 1712 begann die Bebauung der “obrigkeitlichen Dürren Wiese” und damit die Anlage einer selbständigen Kolonie. 1712 – 1715 entstanden fünf Stellen, 1726 sechs, 1731 eine und 1733 vier Stellen. Die zunächst als Häuslerkolonie gedachte Weberansiedlung musste sich später auf Landwirtschaft umstellen.

Die Bewohner Kindelsdorfs waren zu 90% katholisch und gehörten zum Kirchspiel Trautliebersdorf, die evangelischen Bewohner zum Kirchspiel Schömberg. Die im Ort befindliche katholische Volksschule wurde im Jahre 1895 errichtet.

Einwohnerzahl: 1925 = 259 (davon 11 evangelisch), 1939 = 213.

Klein Hennersdorf (Jawiszów) gehört heute zur Landgemeinde Kamienna Góra. Das Dorf liegt an der ehemaligen Kreischaussee zwischen Landeshut und Schömberg und war früher Haltestation der Ziedertalbahn. Erstmalig erwähnt wird der Ort 1292 unter dem Namen “Heinrichisdorf”. Bis 1810 (Säkularisation) war Klein Hennersdorf im Besitz des Klosters Grüssau.

Katholische Schule in Klein Hennersdorf

Die überwiegend katholische Bevölkerung gehörte zum Kirchspiel Neuen und die evangelischen Bewohner zum Kirchspiel Schömberg. Im Jahre 1862 wurde die katholische Schule errichtet.

Seit 1874 war die Landgemeinde Klein-Hennersdorf Sitz des gleichnamigen Amtsbezirkes, zu dem auch die Landgemeinden Görtelsdorf und Neuen gehörten. Einwohnerzahl: 1925 = 459 (davon 60 evangelisch), 1939 = 430.

Krausendorf (Debrznik) liegt 3 km nördlich von Landeshut am Bober  und gehört heute zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut). Gegründet wurde der Ort im Jahre 1370 unter dem Namen “Crusendorff”. Laut Maetschke leitet sich dieser Ortsname wohl von einem Familiennamen ab. Die Namen des bzw. der ersten Besitzer sind nicht bekannt. Erst ab 1524 lassen sie sich nachweisen:

  • 1524      Hans Dipold von Burghaus
  • 1740      von Krauß
  •                Müller
  •                Krusius
  •                Frau von Kalden

Das Schloss in Krausendorf

Das Schloss in Krausendorf wurde im Jahre 1724 errichtet. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Besitzer sehr oft. 1856 erwarb der Landrat Alfred von Klützow das Gut und seit 1900 gehörte es dem Geheimen Kommerzienrat Hermann Rinkel.

Nach der Neugliederung Preußens gehörte Krausendorf seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Seit 1874 war die Landgemeinde Krausendorf Sitz des gleichnamigen Amtsbezirkes, zu dem auch die Landgemeinden Vogelsdorf sowie der Gutsbezirk Krausendorf gehörten. Im Jahre 1925 lebten in Krausendorf 519 Einwohner (davon 454 evangelisch), 1939 = 508. Die Kirchen für beide Konfessionen befanden sich in Landeshut. Im Ort gab es aber bereits seit 1742 eine evangelische Schule.

Kunzendorf (Niedamirów) liegt im Rehorngebirge, unmittelbar an der Grenze zu Tschechien. Es wird über eine Stichstraße von Hermsdorf städt. aus erreicht, die in Kunzendorf endet. Nachbarorte sind Oppau und Michelsdorf im Norden sowie Hartau städt. und Liebau im Nordosten.

Das Gebiet um Kunzendorf gehörte zunächst zu Böhmen und gelangte im 13. Jahrhundert an Herzog Bolko I. Kunzendorf wurde vermutlich Anfang des 14. Jahrhunderts gegründet und gehörte der Adelsfamilie Seidlitz. Zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz gelangte es 1368 wiederum an die Krone Böhmen. Bis 1378 war es zusammen mit Oppau, Buchwald und Tschöpsdorf Witwengut der Marita von Se(i)dlitz, einer Hofmeisterin der Herzogin Agnes. In diesem Jahr verkauften Maritas Söhne Hans Schonevogel und Kuncze Hudner Kunzendorf und die anderen genannten Ortschaften mit allen Besitztümern und Rechten dem Zisterzienserkloster Grüssau. Zur Bestreitung der Türkensteuer mussten 1558 Kunzendorf mit Oppau, Tschöpsdorf und Buchwald verpfändet werden. Während der Verpfändungsperiode entwickelte sich in den Dörfern das Luthertum. Nach der Rückkehr zum Kloster erfolgte die Rekatholisierung der Bevölkerung.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Kunzendorf 1742 zusammen mit Schlesien an Preußen. 1810 wurde das Klostergut säkularisiert. Nach der Neugliederung Preußens 1815 gehörte Kunzendorf zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Es bildete eine eigene Landgemeinde und gehörte seit 1874 zum Amtsbezirk Oppau. 1939 lebten 456 Einwohner in Kunzendorf. 1975 – 1998 gehörte Niedamirów zur Woiwodschaft Jelenia Góra (Hirschberg). Seit 1995 findet in Kunzendorf jährlich ein “Festival der drei Kulturen” statt, das zur Verständigung zwischen Deutschen, Tschechen und Polen beitragen soll. Heute ist Kunzendorf ein Ortsteil der Landgemeinde Lubawka (Liebau).

Lindenau (Lipienica) liegt 9 km südlich von Landeshut. Erstmalig erwähnt wird der Ort im Jahre 1292 unter dem Namen “Lindinowe”. Bis 1810 (Säkularisation) war Lindenau im Besitz des Klosters Grüssau.

1874 – 1945 gehörte die Landgemeinde Lindenau zum Amtsbezirk Hermsdorf grüssauisch, der 1925 in Amtsbezirk Grüssau umbenannt wurde. 1925 bestand Lindenau aus 349 Einwohnern (davon 318 katholisch) und 1939 waren es 266. Nach der dörflichen Berufsstatistik waren mehr als die Hälfte der Bewohner in der Landwirtschaft tätig.

Heute gehört Lindenau zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut).

Merzdorf (Marciszów) wurde vermutlich um 1300 gegründet und lateinisch als “Villa Martini” bezeichnet. 1335 wurde erstmals die St.-Katharina-Kirche erwähnt. Es gehörte zum Herzogtum Schweidnitz und gelangte mit diesem zusammen nach dem Tod des Herzogs Bolko II. 1368 als ein Erblehen an die Krone Böhmen. Vermutlich nach den Hussitenkriegen besaßen es die Herren von Zedlitz. Zu weiteren Besitzerwechsel kam es nach dem 30jährigen Krieg. 1706 erwarb Merzdorf der Reichsgraf Hans Heinrich III. von Hochberg auf Fürstenstein; später wurde es von der Hochbergschen Seitenlinie auf Rohnstock verwaltet. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Merzdorf zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen.

1785 bestand es aus einem Gutshof, zwei Vorwerken sowie 12 Gärtner- und sechs Häuslerstellen. Um diese Zeit erlangte die Hausweberei an Bedeutung. Nach der Neugliederung Preußens gelangte Merzdorf 1815 an die Provinz Schlesien und gehörte ab 1816 zum Landkreis Bolkenhayn (später umbenannt in Bolkenhain). 1874 bildete Merzdorf u. a. mit Ruhbank den Amtsbezirk Wernersdorf Nr. 3. Am 24.11.1931 erfolgte die Umbenennung des Amtsbezirkes Wernersdorf in Amtsbezirk Merzdorf. Nach der Kreisreform vom 01.10.1932 wurde der Amtsbezirk Merzdorf im Kreis Bolkenhain in den Kreis Landeshut eingegliedert. Da sich diese Neugestaltung jedoch als unzweckmäßig erwies, wurde der Amtsbezirk am 01.10.1933 aus dem Kreis Landeshut in den Kreis Jauer eingegliedert. Die Umbenennung des Ortes Merzdorf in Merzdorf (Riesengebirge) wurde am 21.10.1933 vorgenommen. Am 01.04.1936 wurde Merzdorf (Riesengebirge) gemeinsam mit den Orten Rudelstadt und Ruhbank wieder in den Kreis Landeshut integriert, dem sie bis 1945 angehörten.

Für das Jahr 1840 sind 66 Häuser, je ein evangelisches und ein katholisches Gotteshaus, eine evangelische Schule, eine Mühle, ein Sägewerk, vier Kretschmer sowie 57 Webstühle nachgewiesen. 1867 erhielt Merzdorf Anschluss an die Bahnstrecke Görlitz-Waldenburg und 1915 an die Bahnstrecke Ruhbank-Liebau. 1939 wurden 1480 Einwohner gezählt. Über die Bahnhöfe Merzdorf und Ruhbank fahren heute Fernzüge der PKP nach Schreiberhau, Hirschberg, Stettin und Warschau sowie Regionalzüge nach Breslau und Gnesen.

Heute ist Merzdorf (Marciszów) eine Landgemeinde, zu der neun Ortsteile gehören, darunter sind neben Merzdorf die früher zum Kreis Landeshut gehörenden Orte Rudelstadt, Ruhbank und Rohnau. In der Gemeinde leben heute ca. 4600 Einwohner.

Mit Wirkung vom 1. April 1927 wurde die Landgemeinde Wernersdorf nach Merzdorf eingemeindet. Der Ort breitet sich von Süden nach Norden zu beiden Seiten des Bobers aus. Er ist umrahmt auf der östlichen Seite von den Ausläufern des Waldenburger Gebirges (Kegler, Hofe- und Rabenberg) und auf der westlichen Seite von den Bergen des Landeshuter Kammes (Beutenberg, Scharlach und Ochsenkopf). Gegründet wurde Wernersdorf ca. 1305 als “Villa Wernheri”. Der erste Grundherr war wahrscheinlich die Familie Zedlitz. In den 1566 und 1603 fanden zwischen den Brüdern von Zedlitz Käufe und Erbteilungen statt. 1638 erwirbt Ursula von Warnsdorf Ober Wernersdorf und 1675 wird es von Christoph Heinrich von Warnsdorf an Ernst von Berg wieder verkauft. Zwölf Jahre später übernahm es die verwitwete Gräfin Maria Juliane von Hochberg auf Fürstenstein. Seit 1706 war dann die Gräflich Rohnstocksche Familie Grundherr von Wernersdorf.

Die Bevölkerung war überwiegend evangelisch. 1911 hatte Wernersdorf 997 Einwohner, davon waren 902 evangelisch. Im Ort gab es sowohl eine evangelische als auch eine katholische Kirche. Darüber hinaus konnte der Ort 3 Schulen vorweisen. Die katholische Schule wurde bereits 1719 errichtet. Es gab eine evangelische Schule in Ober- Wernersdorf (die sog. Kantor-Schule) und eine evangelische Schule in Nieder Wernersdorf (die sog. Bober-Schule).

Michelsdorf (Miszkowice) liegt im Goldbachtal an der Straße von Liebau nach Hermsdorf städt. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 1289, als der böhmische König Wenzel II. Michelsdorf zusammen mit den Dörfern Königshan (heute Tschechien), Kindelsdorf, Trautliebersdorf und der Stadt Schömberg dem Herzog Bolko I. von Schweidnitz-Jauer schenkte. Drei Jahre später gründete Bolko I. das Zisterzienserkloster Grüssau, dem Michelsdorf als Stiftsdorf angehörte. Nach dem Tod Bolkos II. gelangte es 1368 zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer an die Krone Böhmen.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Michelsdorf 1742 zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. 1810 wurde das Klostergut säkularisiert. Nach der Neugliederung Preußens 1815 gehörte Michelsdorf zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Es bildete eine eigene Landgemeinde und gehörte seit 1874 zusammen mit Hartau städt. und Petzelsdorf zum Amtsbezirk Hermsdorf städt. 1939 lebten 885 Einwohner in Michelsdorf. Heute gehört Michelsdorf zur Landgemeinde Lubawka (Liebau).

Das wohl bekannteste Gebäude in Michelsdorf ist der malerische Fürstenkretscham. Dieser 1624 gebaute Umgebindeholzbau wurde auf einem mächtigen Sockelmauerwerk aus dem 11. Jahrhundert errichtet. Im Jahre 1810 fand hier das in die Geschichte eingegangene geheime Treffen zwischen dem Freiherrn vom Stein und dem preußischen Staatssekretär Karl August von Hardenberg statt.

Mittelkonradswaldau (Grzedy) liegt fast an der Ostgrenze des Kreises am Konradswaldauer Wasser, einem Zufluss des Lässigbaches. Die im Ort entlang gehende Straße führt in südlicher Richtung über Trautliebersdorf nach Friedland und nördlich über Schwarzwaldau nach Hartmannsdorf.

Konradswaldau wurde urkundlich erstmals 1305 erwähnt. Die Feste Konradswaldau, die auch als Burg Vogelgesang bezeichnet wurde, ist für das Jahr 1324 nachgewiesen. Ort und Burg entstanden vermutlich während der Regierungszeit von Herzog Bolko I. und dienten der Sicherung der schlesisch-böhmischen Grenze. Vom ostböhmischen Politz führte ein Weg über Friedland oder Schömberg durch den Grenzwald und weiter durch das Tal der Lässig in die schlesische Ebene. Durch die Heirat der Prinzessin Anna von Schweidnitz 1353 mit dem böhmischen König und späteren Kaiser Karl IV. verlor Konradswaldau die strategische Bedeutung. Erster bekannter Besitzer war der Ritter Hendricus von Predil. Nachdem auf der Burg Raubritter hausten, wurde sie 1355 von Herzog Bolko II. gestürmt. Nach dessen Tod 1368 fiel es 1368 zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz erbrechtlich an Böhmen. 1379 waren Burg und Burgbezirk im Besitz des Hermann von Czettritz, dem Hofmeister der Prinzessin Anna von Schweidnitz. 1428 wurde die Burg und vermutlich auch Konradswaldau von den Hussiten zerstört. Konradswaldau blieb weiterhin im Besitz des Hermann von Czettritz, der seinen Sitz auf der Burg Neuhaus nahm. 1437 erwarb er die Herrschaft Schwarzwaldau, mit der er Konradswaldau vereinte. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Konradswaldau zusammen mit Schlesien an Preußen und gehörte weiterhin zur Herrschaft Schwarzwaldau, die bis 1830 im Besitz der Herren von Czettritz blieb. In diesem Jahr wurde Konradswaldau zusammen mit Schwarzwaldau von Otto Freiherr von Zedlitz-Neukirch erworben. 1851 gelangte Konradswaldau an dessen Schwiegersohn Bernhard von Portatius, bei dessen Nachkommen es bis 1945 verblieb. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Konradswaldau seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Landeshut eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Seit 1874 war die Landgemeinde Schwarzwaldau Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks, zu dem auch die Landgemeinden Mittel Conradswaldau, Ober Conradswaldau und Vogelgesang sowie die Gutsbezirke Conradswaldau und Schwarzwaldau gehörten. Im Jahre 1925 lebten in Mittelkonradswaldau 1141 Einwohner (davon 990 evangelisch), 1939 waren es 1020. Heute gehört der Ort zur Landgemeinde Czarny Bór (Schwarzwaldau).

Vogelgesang - Fremdenheim "Einkehr zum Pechsack"

Mit Wirkung vom 1. Oktober 1928 wurde die Landgemeinde Vogelgesang in den Ort Mittelkonradswaldau einge-meindet. Gegründet wurde Vogelgesang um 1656. Der Ort zieht sich von Mittelkonradswaldau rechtwinklig in einer Talschlucht zur Kreisgrenze hin. Ein gut bewaldeter Berg führte den Namen “Vogelberg”, über den ein steiler Waldweg durch Felsengebilde nach Alt-Lässig und Gottesberg führte. Dieser Waldweg über den Vogelberg war allgemein als “Pechsack” bekannt. 1925 hatte Vogelgesang 97 Einwohner, davon waren nur 4 katholisch.

Der Gerichtskretscham in Vogelgesang

Neuen (Krzeszówek) liegt 9 km südöstlich von Landeshut im Ziedertal. Vermutlich stand hier die erste Benediktinerabtei Grüssau. Herzogin Anna, Witwe des bei Wahlstatt gefallenen Herzogs Heinrich II., berief Benediktinermönche aus Opatowitz in Böhmen ins Ziedertal. Diese errichteten 1242 auf einer Anhöhe am Zieder, vermutlich dort, wo sich heute die Kirche von Neuen erhebt, eine Propstei. Bei Bauarbeiten in der Neuzeit stieß man auf Mauerreste, die auf diese Niederlassung hindeuten könnten. Alte Urkunden bezeichnen noch im  14. bis 16. Jahrhundert den kleinen Ort Neuen samt seiner Pfarrkirche als “Antiqua Gryssow” (Alt Grüssau). Nach fünf Jahrzehnten wurden die Benediktiner durch Zisterziensermönche abgelöst, die sich eine halbe Stunde weiter in nördlicher Richtung niederließen und dort das Kloster Grüssau errichteten. Neuen war eines fast 40 Dörfern des dem Kloster Grüssau gehörenden Stiftslandes. Als Teil des Herzogtums Schweidnitz fiel es mit diesem zusammen 1392 an die Krone Böhmen. 1426 wurde es von den Hussiten gebrandschatzt. Als Folge des Ersten Schlesischen Krieges fiel es zusammen mit Schlesien 1742 an Preußen. 1810 wurde das Klostergut säkularisiert. Nach der Neugliederung Preußens 1815 war es Teil der Provinz Schlesien und gehörte ab 1816 zum Landkreis Landeshut. 1899 erhielt es Anschluss an den Haltepunkt Grüssau an der Bahnstrecke Landeshut-Albendorf. Seit 1874 gehörte Neuen zum Amtsbezirk Klein Hennersdorf.

Die katholische Kirche St. Laurentius wurde 1362 errichtet und 1588 – 1595 unter Abt Kaspar Ebert umgebaut und erweitert. Anfang des 18. Jahrhunderts erhielt die Kirche eine reiche Barockausstattung. Außer Neuen gehörten noch die beiden Dörfer Görtelsdorf und Klein Hennersdorf zur Kirchengemeinde Neuen. Für die evangelischen Bewohner war die Kirchengemeinde Schömberg zuständig.

Im Jahr 1925 zählte der Ort 145 Einwohner, davon gehörten nur 4 dem evangelischen Glauben an. 2010 lebten in Neuen 102 Bewohner. Der Ort gehört heute zur Landgemeinde Kamienna Góra (Landeshut).

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