Firmengeschichten A – L

Textilmaschinenfabrik E. Bauch, Roonstr. 1, 2, 25

Ewald Bauch (26.07.1844 - 23.12.1894)

Der Fabrikdirektor Ewald Bauch, geboren am 26.07.1844, absolvierte nach der Schulausbildung ein Studium an der Königlichen Gewerbe-Akademie (spätere Technische Hochschule) in Berlin-Charlottenburg. Danach war er mehrere Jahre als Ingenieur in verschiedenen Maschinenfabriken tätig. Zu Beginn des Jahres 1881 gründete er in Landeshut die Maschinenbauanstalt, Eisen- und Metallgießerei Fa. E. Bauch. In Niederleppersdorf kaufte er eine stillgelegte Schuhfabrik und baute die oben genannte Firma. Es wurden zunächst Reparaturen durchgeführt und landwirtschaftliche Maschinen hergestellt. Die Mechanisierung der in Landeshut und Umgebung bestehenden Handwebereien veranlasste Ewald Bauch aber sehr bald, Textilmaschinen zu bauen. Diese wurden bisher fast ausschließlich aus England bezogen. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich das Unternehmen zu einem bedeutenden Betrieb. Der Absatz erstreckte sich nicht allein auf Deutschland, sondern es wurden in starkem Umfang auch Textilfabriken im Ausland mit Bauch`schen Maschinen beliefert. Ewald Bauch war es allerdings nicht vergönnt, diesen Erfolg seiner rastlosen Arbeit zu erleben. Im Alter von 50 Jahren verstarb er. Gemeinsam mit ihrem Schwiegersohn führte seine Witwe die Fabrik weiter. Aber auch dieser starb nach wenigen Jahren im Alter von 40 Jahren.

Friedrich Bauch (10.06.1881 - 10.05.1959)

Nun musste der einzige Sohn, der Ingenieur Friedrich Bauch, mit 26 Jahren das Erbe des Vaters übernehmen. Im Gründungsjahr der Firma geboren, hatte er nach Schul- und Berufsausbildung und praktischer Tätigkeit, die königliche Maschinenbauschule in Breslau absolviert und war in einer Spinnerei und Maschinenfabrik in Sachsen tätig gewesen. Diese Erfahrungen kamen ihm nun zunutze und durch unermüdlichem Fleiß gelang es ihm, nicht nur das begonnene Werk seines Vaters weiterzuführen, sondern auch durch Hinzunahme der Fabrikation von Flachs- und Hanf-Ausarbeitungsmaschinen zu erweitern. Das Unternehmen wurde später in die Familiengesellschaft E. Bauch, K.-G., Textilmaschinenfabrik Landeshut in Schlesien, umgewandelt. Absatzländer waren: Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien, Rußland, Bulgarien, Türkei und Griechenland. Am Kriegsende waren 250 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. Nach der Vertreibung lebte Friedrich Bauch in Unterhaching/Obb.

Glaserei Blodau, Wilhelmstraße 11

Bernhard Blodau

Die Glaserei Blodau wurde 1859 von Bernhard Blodau in Landeshut gegründet. Am 22. Februar 1857 begab sich der am 15. Dezember 1829 geborene Glasergeselle auf die übliche Wanderschaft. Seine Wege führten ihn über Danzig, Stolp, Cöslin, Stettin, Stralsund, Rostock, Bützow, Güstrow, Schwerin, Lübeck, Hamburg und Celle nach Hannover. Nach der Bescheinigung der Herzoglichen Polizeidirektion Braunschweig kam er am 11. Januar 1858 in Wolfenbüttel an. Hier hielt er sich bis zum 23. Januar 1858 auf und wanderte dann über Leipzig, Grimma, Dresden, Bautzen, Görlitz, Goldberg nach Breslau. Laut Wanderpass ließ er sich am 10. Juli 1858 eine Reise nach Warschau und Tschenstochau bescheinigen. Dabei wurde vermerkt, er sei “politisch unverdächtig”. Am 12. März 1859 bescheinigte das Polizeipräsidium Breslau, dass Blodau in vier Tagen Landeshut erreichen solle, “um sich dort zu etablieren”.

Diese Weisung hat er wohl auch befolgt. Er gründete in der Wilhelmstraße 11 eine Glaserei und erhielt auch bald schon etliche Aufträge. Mitte 1860 erteilte ihm die Leinen- und Gebildweberei F. V. Grünfeld einen großen Auftrag. Im Haus Kornstraße 2/3 (später Modehaus David – Inhaber Scholz und Finke) sollte er für damalige Verhältnisse riesengroße Schaufensterscheiben von 2,50 m Breite und 3,20 m Höhe einsetzen. Es handelte sich um unbelegtes Spiegelkristallglas, eine Neuheit. Da es noch keine Eisenbahnverbindung nach Landeshut gab, musste die wertvolle Fracht in Kisten verpackt von der Spiegelhütte Altwasser bei Waldenburg mit einem Pferdefuhrwerk transportiert werden.

Sohn Georg wurde ebenfalls Glasermeister und übernahm nach dem Tod des Vaters die Glaserei. Der Enkel Franz Blodau setzte die Familientradition fort und unterstützte seinen Vater im Betrieb. Die Familie Blodau lebte nach 1946 in Rehburg.

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Firma Brodkorb & Drescher, Bismarckstraße 4, 5, 6 und 7

Josef Brodkorb (17.11.1857 - 25.06.1946)

Der Leinenkaufmann Josef Brodkorb wurde am 17.11.1857 in Langenbrück im Kreise Neustadt/OS. geboren. In eine kinderreiche Familie wurde er hineingeboren. Nach Beendigung der Schulzeit besuchte er in Sorau die Webschule und absolvierte eine Textilfachausbildung in einer Weberei.

Im Jahre 1889 kam Josef Brodkorb nach Landeshut und arbeitete zunächst bei der Leinenfirma Buttermilch. Gemeinsam mit seinem dortigen Kollegen Drescher gründete er 1890 das Leinenversandgeschäft “Brodkorb & Drescher”, das seine ersten Geschäftsräume in der Pfortengasse hatte. 1899 erwarb die Firma das Grundstück Bismarckstr. 4/5, um von dort aus das Geschäft in größerem Umfang zu betreiben. Nach dem Tod seines Teilhabers Drescher wurde Josef Brodkorb Alleininhaber der Schlesischen Gebirgsleinen- und Gebild-Handweberei, der Wäschefabrik und des Versandhauses. Die Firma entwickelte sich zu einem über Deutschland hinaus bekannten Unternehmen.

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Dieser geschäftliche Erfolg ist ihm keinesfalls in den Schoß gefallen. Dazu gehörten ein starker Wille, Tatkraft und Zielstrebigkeit. Große Barmittel brachte er nicht mit. Von ihm selbst stammte die Äußerung: “Nach Landeshut kam ich mit noch genau 50 Pfennigen in der Tasche”. Um 1900 erweiterte Josef Brodkorb seinen Grundbesitz durch Kauf des sehr geschichtsträchtigen Hauses Bismarckstr. 6 und 7. In diesem stattlichen Haus befand sich früher eine Niederlassung der “Preußischen Seehandlung”, der Staatsbank Friedrichs des Großen, die auf Initiative Peter Hasenclevers in Landeshut errichtet wurde.

Neben seiner verantwortungsvollen beruflichen Tätigkeit wirkte Josef Brodkorb auch aktiv an der Gestaltung des öffentlichen Lebens mit. Er bekleidete viele politische Ehrenämter. Er war Stadtverordneter, Magistratsmitglied, Dezernent des städtischen Gas- und Wasserwerkes, Kreisvorsitzender der Zentrumspartei und Provinzialland-tagsabgeordneter. An seinem 70. Geburtstag wurde er wegen seiner besonderen Verdienste zum “Stadtältesten” ernannt. Gleichzeitig erhielt er vom Vatikan den päpstlichen Orden “Pro Ecclesia et Pontifice”.

Nach der Vertreibung im Mai 1946 kam er nach Seesen und wurde in einem Altenheim untergebracht. Der Verlust der Heimat und seines unter großen Mühen aufgebauten Unternehmens waren für den hochbetagten Mann zuviel. Bereits vier Wochen später verstarb er am 25. Juni 1946.

Geschäftshaus der Firma Brodkorb & Drescher (rechts)

Fotoatelier Alexander Czechatz, Wallstr. 1 (später Foto-Büttner)

Alexander Czechatz (29.09.1872 - 28.05.1915)

Der Fotograf Aexander Czechatz wurde am 29. September 1872 in Landeshut geboren. Nach Schulzeit und Berufsausbildung eröffnete er ein Fotoatelier in Patschkau, Ring 156.

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Später zog er wieder in seine Heimatstadt Landeshut zurück und eröffnete in der Wallstraße 1 erneut ein Fotoatelier. Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt.  Am 22. Oktober 1913 brannte in Grüssau die Kuppel des Nordturmes der Marienkirche nieder. Als er von dieser Katastrophe erfuhr, eilte er sofort nach Grüssau, um dort zu fotografieren. Dabei zog er sich eine sehr schwere Lungenentzündung zu, an deren Folgen er am 28.05.1915 verstarb. Seine Ehefrau Emma führte das Geschäft bis Mitte der 1920-er Jahre weiter. Danach verkaufte sie es an Hermann Büttner, der das Atelier später zum Obertor 1 verlegte.

von rechts: Emma Chechatz, unbekannt, Alexander Czechatz

Bilder und Daten wurden von Wolfgang Stoephasius (Enkel von Alexander Czechatz) zur Verfügung gestellt.

Möbelfabrik Walter Fuchs, Hirschberger Straße 35/37

Walter Fuchs (15.05.1878 - 21.12.1969)

Der Möbelfabrikant Walter Fuchs wurde am 15. Mai 1878 in Magdeburg geboren. Sein jüngerer Bruder war der bekannte Kunstmaler und Radierer Erich Fuchs. Im Gegensatz zu seinem Bruder trat Walter Fuchs in die Fußstapfen seines Vaters. Er wird wohl bereits als Kind dem Vater in der Tischlerei über die Schulter geschaut haben. Nach der Schulausbildung absolvierte er eine Tischlerlehre und begann nun mit viel Begeisterung und Elan seine Berufstätigkeit. Als ihm in Liebau die Leitung der Hesseschen Möbelfabrik angeboten wurde, nahm er diese Herausforderung freudig an. Verheiratet war er seit dem 18.09.1906 mit Ehefrau Gertrud, geb. Adler. Diese Ehe blieb kinderlos. Die Eheleute Fuchs verbrachten viele Jahre in Liebau. Aber Walter Fuchs wollte ebenso wie sein Vater einen Betrieb nicht nur leiten, sondern auch eine eigene Fabrik führen.

Diesen Wunsch erfüllte er sich in Landeshut. Hier baute er eine Möbelfabrik auf, deren Erzeugnisse weit über den Bereich des Kreises Landeshut ihren Absatz fanden.

Möbelfabrik Walter Fuchs - Stammbetrieb Hirschberger Str. 35/37 - Werk I

Möbelfabrik Walter Fuchs - Werk II Südseite, Hauptbetrieb

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Walter Fuchs als Lektor

Obwohl ihm diese arbeitsreichen Jahre und der Aufbau einer selbständigen Existenz viel Kraft gekostet hatten, sollte ihm eine weitere sehr schwere Zeit bevorstehen. Nachdem der größte Teil der deutschen Bevölkerung 1946/47 aus der Stadt und dem Kreis Landeshut in mehreren Transporten die Heimat verlassen musste, und auch die beiden letzten Pastoren Heino Muther und Fritz Bürgel ausgewiesen worden waren, übernahm Walter Fuchs die Versorgung der zurückgebliebenen etwa 150 evangelischen Gemeindeglieder aus Landeshut und den zur Gnadenkirche gehörenden angrenzenden Landgemeinden. Bis zu seiner Ausreise 1957 übte er fast 10 Jahre unter größten Opfern den  Dienst als alleiniger Lektor aus. Mit Genehmigung des Konsistoriums in Görlitz hatte er alle kirchlichen Amtshandlungen wie Gottesdienst, Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen, Heiliges Abendmahl und Seelsorge durchzuführen.

Im Jahre 1957 kam er gemeinsam mit seiner Ehefrau nach Winsen an der Luhe. Für seine besonderen Verdienste um die Betreuung der deutschen Restgemeinde der evangelischen Gnadenkirche in der Zeit von 1948 – 1957 wurde Walter Fuchs mehrfach ausgezeichnet. Der Heimatkreis Landeshut ehrte ihn mit der Verleihung  der Ehrenbürgerschaft. Er erhielt das Bundesverdienstkreuz und das Präsidialamt der Evangelischen Landeskirche verlieh ihm die Uhlhorn-Plakette, eine hohe kirchliche Auszeichnung. Am 21. Dezember 1969 starb Walter Fuchs in Winsen an der Luhe. Seine Ehefrau Gertrud Fuchs verstarb am 07. Juni 1975.

Fleischerei Hermann Glaeser, Markt Nr. 12

Markt Nr. 12 - Fleischerei Hermann Glaeser

Der Fleischermeister Friedrich Glaeser eröffnete am 1. Oktober 1860 in seinem Elternhaus, Markt Nr. 12, ein Fleischerfachgeschäft. Bereits seit 1713 befand sich dieses Haus in Glaeser`schem Besitz. Über der Haustür befand sich die Inschrift” “Anno Domini 1713″. Dreißig Jahre später übergab er den Betrieb seinem Sohn, dem Fleischermeister Hermann Glaeser, der mit Pauline Reich verheiratet war. Dieser war am 5. Januar 1860 im väterlichen Hause geboren worden. Nach der Volksschule und einem dreijährigen Besuch der städtischen Oberrealschule erlernte er bei seinem Vater das Fleischerhandwerk und schloss die Ausbildung mit der Meisterprüfung erfolgreich ab. Auf der Schule sagte er einmal zu seinem neben ihm sitzenden Schulkameraden Bernhard Nocht: “Bernhard`l, werd` Du Professor, ich werd` Meester”. Tatsächlich wurde Bernhard Nocht später Professor und Gründer sowie Leiter des in der ganzen Welt bekannten Hamburger Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten. Hermann Glasesers Schwester Clara war mit Franz Iwan verheiratet, Eltern des bekannten Landeshuter Malers und Gafikers Friedrich Iwan.

Aus gesundheitlichen Gründen musste sich Hermann Glaeser am 1. August 1933 aus dem Betrieb zurückziehen und die Fleischerei seinem Sohn Karl übergeben. Hermann Glaeser starb bereits ein Jahr später, am 10. Dezember 1934. Karl Glaeser war am 24. März 1899 im väterlichen Haus geboren worden. Nach der Schulausbildung hatte er zunächst bei dem Konditormeister Teichmann in Liebau das Handwerk eines Konditors erlernt, um jedoch später auch noch das Fleischerhandwerk zu erlernen. Von 1935 bis 1939 war er stellvertretender Obermeister der Landeshuter Fleischerinnung. Gemeinsam mit seiner verwitweten Schwester Klara Hrabowsky führte Karl Glaeser die Fleischerei ganz im Sinne des verstorbenen Vaters weiter.

Aber auch die Familie Glaeser musste Landeshut verlassen. Karl Glaeser kam in russische Gefangenschaft und wurde 1948 zu seiner inzwischen in einem kleinen Dorf in Bayern lebenden Familie entlassen. Hier bot sich jedoch keine Möglichkeit zu einer Existenzgründung. Die Familie Glaeser entschloss sich daher, nach Amerika auszuwandern. Karl Glaeser hatte bereits Mitte der zwanziger Jahre einige Jahre in den Staaten gelebt. Portland im Staate Oregon wurde die neue Heimat der Familie. Karl Glaeser fand eine Anstellung als Werkmeister in einer Wurstfabrik. Er verstarb am 05. November 1977.

Familie Karl Glaeser in Portland

Klara Hrabowsky, geb. Glaeser (25.10.1892 - 18.10.1976)

 

Seine Schwester Klara Hrabowsky lebte bis zu ihrem Tod bei ihrem Sohn Franz Hrabowsky und dessen Familie in Bottrop.

 

 

 

 

 

 

Leinen- und Gebild-Weberei F. V. Grünfeld, Liebauer Straße 32

Der Leinenfabrikant Falk Valentin Grünfeld war der Gründer der bekannten Leinen- und Gebildweberei F. V. Grünfeld. Geboren wurde er am 09. Februar 1837 in Leschnitz OS., als jüngstes Kind des Lehrers Isaak Grünfeld und dessen Ehefrau Sarah. Den Namen Falk Valentin nahm er erst im Alter von 25 Jahren nach seiner Einbürgerung in Landeshut an. Sein Geburtsname war Valentin. Nach der Schulzeit absolvierte er in der Zeit von 1851 – 1854 in Groß Strehlitz eine Lehre und war anschließend bei verschiedenen Firmen tätig, bis ihm 1859 der damals als “Leinenkönig” bekannte S. Fränkel in Neustadt eine Stelle anbot. Drei Jahre später begab er sich nach Landeshut. Er wollte beruflich weiterkommen und eine eigene Firma gründen.

Unter den Lauben am Markt eröffnete er im Juli 1862 sein erstes Geschäft, ein Mode-, Schnitt- und Weisswarengeschäft. Es bestand aus einer kleinen Stube mit Nebenraum. Obwohl sein Warenlager zu Beginn nur aus wenigen Ballen Leinen bestand, gelang es ihm sehr bald die Landeshuter und die Bevölkerung der umliegenden Dörfer als Kunden zu gewinnen. Bereits zwei Jahre nach der Eröffnung zog die Firma in ein eigenes Haus in der Kornstraße 2/3 um. (Später befand sich in diesem Haus das bekannte Modegeschäft David, Inhaber Scholz & Finke). Dieses Ladenlokal war wesentlich größer. Grünfeld ließ große Schaufenster einbauen und eine ganze Wand mit Spiegeln verkleiden. Gleichzeitig begann die eigene Leinenfabrikation durch Handweberei. Der Wahlspruch der Firma lautete: “Vor Unkraut hüt´uns Gott in Gnaden, nur reiner Flachs gibt guten Faden”.

Nach Einführung des Einheitspaketportos im Jahre 1873 wurden die ersten Angebote verschickt und damit das Versandgeschäft begründet. Millionen von Preislisten und die umfangreiche Versandtätigkeit bewirkten, dass der Name Grünfeld weit über die Grenzen hinaus bekannt wurde. Die Kunden bestellten aus Ungarn, Tirol, Italien, Schweiz, Luxemburg, England, Holland und Finnland. Im Laufe von zehn Jahren überschritt der Versandhandel das ursprüngliche Ladengeschäft so stark, dass der Umzug in ein größeres Geschäftsgrundstück dringend erforderlich war. Im Jahre 1884 erwarb er das große Grundstück an der Liebauer Straße und errichtete das heute noch bestehende imposante Geschäftsgebäude.

Falk Valentin Grünfeld - im Hintergrund das neue Geschäftsgebäude

Geschäftshaus Grünfeld

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Eingangshalle

Der Name Grünfeld war zwischenzeitlich bis zum deutschen Kaiser vorgedrungen. Falk Valentin Grünfeld wurde 1875 Königlich Preußischer Hoflieferant. Die Lieferung von Leinen für die Hofhaltung des Kaisers erfolgte regelmäßig zweimal jährlich. Am 10.12.1888 ernannte ihn Wilhelm I. zum Königlich Preußischen Kommissionsrat. Falk Valentin Grünfeld ließ zu Ehren des deutschen Kaisers in der Eingangshalle des Landeshuter Geschäftshauses ein hohes Standbild Wilhelms I. errichten.

Zeitungsanzeige der Firma Grünfeld in Landeshut in der "Neuen Preußischen Zeitung", Jahrgang 1879)

1889 wurde in Berlin eine Filiale eröffnet, aus der 1928 eines der bedeutendsten Kaufhäuser Berlins hervorgehen sollte. Eine weitere Filiale konnte 1925 in Köln eröffnet werden.

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Ausstellungshalle des Berliner Geschäftshauses

Heinrich Grünfeld (10.04.1865 - 25.07.1936)

Verheiratet war Falk Valentin Grünfeld seit dem 16. Juni 1863 mit Ehefrau Johanna, geb. Schück (geb. 1843) aus Oppeln. Aus dieser Ehe sind drei Söhne und zwei Töchter hervorgegangen. Die beiden ältesten Söhne Ludwig (1864 – 1929) und Heinrich (1865 – 1936) wurden am 01. September 1891 Mitinhaber der Firma, nachdem beide bereits seit ihrem 20. Lebensjahr den schwer kranken Vater tatkräftig unterstützten. Der jüngste Sohn Max war ein Nachzügler und wurde am 27.01.1884 geboren.

oben von links: Heinrich Grünfeld (10.04.1865 - 25.07.1936) und Ludwig Grünfeld (1864 - 1929), unten von links: Fritz Vinzenz Grünfeld (1897 - 1982), Max Grünfeld (27.01.1884 - 09.12.1939) und Franz Viktor Grünfeld (24.11.1895 - 16.10.1965)

Falk Valentin Grünfeld starb am 19. Januar 1897 während eines Kuraufenthaltes in San Remo. Seine Ehefrau überlebte ihn um neun Tage und starb am 28. Januar 1897 in Landeshut. Am Morgen nach ihrem Tod traf der Leichnam ihres verstorbenen Ehemannes aus San Remo in Landeshut ein und am darauffolgenden Tag wurden beide Särge in der Synagoge aufgebahrt. Die Beisetzung erfolgte am 29. Januar 1897 auf dem jüdischen Friedhof in Landeshut.

Im Jahre 1938 kam das Ende für die Firma Grünfeld als Familienbetrieb. Der gesamte Betrieb mit Filialen wurde an die Berliner Leinenfirma Max Kühl verkauft. Durch den Geschäftsverkauf war es der Familie möglich, Deutschland zu verlassen bevor der Krieg ausbrach. Ende Dezember 1938 erhielten alle drei Ex-Inhaber der Firma F. V. Grünfeld ihre Pässe, mit dem Hinweis, dass sie sofort abzureisen hätten. Dies geschah auch noch vor Jahresende 1938. Dr. Fritz Vinzenz Grünfeld verstarb im Jahre 1982 in Israel.

 Modehaus Gustav Haacke, Wilhelmstraße 13

Geschäftsgründer Gustav Haacke (20.04.1862 - 1941)

Der Kaufmann Gustav Haacke wurde am 20. April 1862 in Dittmannsdorf, Kreis Waldenburg geboren, als Sohn des dortigen Gasthausbesitzers Benjamin Haacke und dessen Ehefrau Johanne Helene, geb. Hund. Nach 1880 erwarb er von dem Kaufmann Bernhard Prerauer das Modewarengeschäft in Landeshut, Wilhelmstraße 13, welches bis zur Vertreibung im Besitz der Familie Haacke blieb. Verheiratet war er seit 1887 mit der Landeshuter Kaufmannstochter Agnes Brieger. Während der Ehe wurden 6 Kinder geboren, Helene (verh. Kloß), Erna, Frieda, Armin, Günther und Walter (gef. 1916).

Bei der Firma Haacke handelte es sich um eine offene Handelsgesellschaft, die mit Textilwaren handelte und Filterschläuche für die chemische und Mühlenindustrie herstellte. Die Geschwister Erna, Armin und Günther Haacke traten am 1. Januar 1922 als Teilhaber in das Geschäft ihres Vaters ein und übernahmen es nach dessen Tod im Jahre 1941.

Geschwister Haacke - hintere Reihe v. links: Armin, Helene (verh. Kloß) und Walter, vordere Reihe v. links: Frieda, Günther und Erna

Auf dem Geschäftsgrundstück Wilhelmstraße 13 befanden sich zwei Gebäude. Im Vorderhaus war das Ladengeschäft für Bekleidung, Stoffe, Gardinen etc. untergebracht. Im Hinterhaus befanden sich in der 1. Etage ein Verkaufsraum und in der 2. Etage die Schneiderei.

Geschäftshaus Wilhelmstraße 13

Wohnhaus der Familie Armin Haacke - Mühlgrabenpromenade 5

Das Modegeschäft Haacke war weit über die Stadtgrenze Landeshuts hinaus bekannt. Die Firma entwickelte sich so gut, dass die Brüder Armin und Günther Haacke im Jahre 1924 ihren Grundbesitz durch die an der Mühlgrabenpromenade 5 und Mühlstraße 2 gelegenen Häuser erweitern konnten. Außer dem Kontor der Firma waren im Erdgeschoss des Hauses Mühlgrabenpromenade 5 auch der Zuschneideraum und ein Teil des Lagers (Webwarenlager) untergebracht. In der 2. Etage dieses Hauses wohnte Armin Haacke mit seiner aus Hirschberg stammenden Ehefrau Lydia und den Söhnen Wolfgang, Ekkehart und Harald. Wolfgang Haacke (geb. 1925) war im Jahre 1927 von dem Ehepaar Armin und Lydia Haacke adoptiert worden. Er wurde unmittelbar nach seinem Notabitur eingezogen und ist am 3. März 1945 als junger Leutnant bei Hanau/Main gefallen. Die Todesnachricht erhielt die Familie Ende April 1945. Die Wohnung in der 1. Etage war vermietet. Ende der 1930er Jahre bis zur Vertreibung lebte in dieser Wohnung der Rektor Bruno Rauhut mit seiner Familie. Dessen Ehefrau Martha wurde im Jahre 1951 als Initiatorin des Landrat-Dr.-Fiebrantz-Hilfswerkes bekannt.

Im Haus Mühlstraße 2 war neben 2 kleinen Wohnungen auch das Lager für technische Textilien untergebracht.

Armin Haacke (25.02.1893 - 15.07.1945)

Vier Monate nach dem Tod des ältesten Sohnes Wolfgang erlitt die Familie Haacke erneut einen schweren Schicksalsschlag, als Armin Haacke im Juli 1945 von den Polen verschleppt wurde. Seitdem galt er als vermisst und wurde am 30.03.1951 mit Wirkung vom 15.07.1945 für tot erklärt.

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Briefverschlussmarke der Firma Gustav Haacke

Im September 1946 kam das Ende und auch die Familie Haacke musste Landeshut verlassen und das mit viel Fleiß, Mühen und Energie aufgebaute Lebenswerk zurücklassen. Wie so viele andere Landeshuter kam auch die Familie Haacke nach Niedersachsen. Günther Haacke starb am 23.03.1964 in Eschershausen.

Bilder und Daten wurden von Ekkehart Haacke zur Verfügung gestellt. Dieser lebt mit seiner aus Ostpreußen stammenden Ehefrau Ursula seit einigen Jahrzehnten im Rheinland. Er blickt inzwischen auf sechs Generationen Haacke zurück.

Firma Albert Hamburger AG, Bahnhofstraße 23

Albert Hamburger war der Gründer der weit über die Grenzen hinaus bekannten Leinenweberei “Albert Hamburger AG”. Bereits sein Vater Ignatz Zacharias, kurz I. Z. Hamburger, handelte mit Textilien. Im Jahre 1829 eröffnete dieser in Schmiegel in der Provinz Posen ein kleines Textilgeschäft. Zu diesem Zeitpunkt war er erst 18 Jahre alt und hatte ein Jahr zuvor geheiratet. Trotzdem wagte er aber den riskanten Schritt in die Selbständigkeit. Er handelte “en gros”, die Ware beschaffte er auf den Messen in Frankfurt/Oder und Leipzig und durch die Belieferung von Jahrmärkten erweiterte er seinen Kundenkreis. Mit einem dreispännigen Fuhrwerk zog er wöchentlich von Sonntag bis Donnerstag über Land. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Firma zu einem erfolgreichen Unternehmen, welches nicht nur in der Provinz, sondern auch in der Stadt Posen bekannt wurde. Gemeinsam mit seinen drei Söhnen Hermann, Heinrich und Albert verlegte I. Z. Hamburger später die Geschäftstätigkeit nach Breslau.

Albert, der Jüngere der drei Brüder, begab sich im Jahre 1871 nach Landeshut und gründete in diesem Jahr die nach ihm benannte Firma “Albert Hamburger AG”, dessen Nachfolger Ende 1890 sein Neffe Max – der spätere Stadtrat Max Hamburger – wurde, da sein eigener Sohn – ebenfalls Max, der spätere Dr. Max Hamburger – zu diesem Zeitpunkt noch zu jung war und seine beiden älteren Söhne bereits jung verstorben waren.

Briefkopf der Firma Albert Hamburger AG

Max Hamburger (1868 - 14.05.1952)

Max Hamburger wurde 1868 als Sohn des Hermann Hamburger geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Breslau. Nach der Schulausbildung besuchte er die Webschule in Krefeld und begab sich dann nach Landeshut in die Firma seines Onkels Albert. Diese hatte sich inzwischen wesentlich vergrößert. Im Gründerjahr 1871 trat sein Onkel Albert zunächst als Unternehmer in dem Sinne auf, dass er Garne kaufte und diese von den im Kreis Landeshut ansässigen Handwebern im Lohn verarbeiten ließ. Wie die anderen Unternehmer erkannte aber auch Albert Hamburger, dass sich die Zeit der Handweberei dem Ende näherte und so beschaffte er die ersten mechanischen Webstühle. Bereits 1885 wurde die große Weberei mit Appreturanstalt erbaut, die sich im Laufe der Jahre zu einem bedeutenden Industriewerk mit 620 Webstühlen und 750 Arbeitskräften entwickelte.

Fabrikantenvilla an der Bahnhofstraße

Nach dem Ausscheiden des Gründers übernahm Max Hamburger die Leitung der Firma und führte diese nicht nur erfolgreich im Sinne seines Onkels fort, sondern vergrößerte sie auch. Das gesamte Areal der Firma umfasste eine Fläche von 110 x 150 m, begrenzt im Norden durch die Roonstraße, im Osten durch die Maschinenfabrik Bauch, im Süden durch die Boberwiesen und  im Westen durch die Perschkestraße. Im Jahre 1907 wurden das neue Bürohaus an der Bahnhofstraße und die Villa erbaut.

Konferenzraum im Geschäftshaus an der Bahnhofstraße

Zwischenzeitlich hatte Max Hamburger Else Gradenwitz aus Breslau geheiratet, Tochter des Bankiers und Handelsrichters Eduard Gradenwitz und dessen Ehefrau Rosa, geb. Feige. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne hervor, Victor, Rudolf und Otto. Victor Hamburger (1900 – 2001) wurde ein überaus bekannter Entwicklungsbiologe und Pionier der Neuroembryologie, der mit Ehrungen überhäuft wurde. Er erhielt u. a. Ehrendoktorwürden der Washington University, der Universität Uppsala und der Rockefeller University. Sohn Rudolf (1903 – 1980) arbeitete etliche Jahre als Architekt in Shanghai und der jüngste Sohn Otto wurde Unternehmer.

Neben seinen umfangreichen und verantwortungsvollen Tätigkeiten im Betrieb beteiligte sich Max Hamburger auch aktiv am öffentlichen Leben. Er wirkte viele Jahre als Stadtrat zum Wohle Landeshuts und brachte hier seine umfangreichen Kenntnisse ein. Vorbildlich waren auch die sozialen Einrichtungen der Firma Hamburger. Für die Arbeiter wurden in den Jahren 1907 bis 1908 die sogenannten “Hamburger-Häuser” errichtet.

Die Hamburger-Häuser, im Hintergrund die Familienhäuser der Seidenweberei

Die Hamburger-Häuser

Als Bauplatz wurde ein Gelände außerhalb der Stadt gewählt, zwischen der Seidenweberei und der Brauerei, die spätere Reußendorfer Straße. Die Anregung zum Bau dieser Kolonie soll Stadtrat Max Hamburger angeblich von Alfred Krupp aus Essen erhalten haben. Die Kolonie selbst bestand aus viermal fünf Einfamilienhäusern, die aneinandergebaut waren, ähnlich den heutigen Reihenhäusern, jedoch nicht in der Einförmigkeit der modernen Bauten. Jedes Haus hatte seinen eigenen Charakter, so dass trotz des einheitlichen Baustiles eine Auflockerung erreicht wurde. Zu jedem Haus gehörten zwei Gärten, ein kleiner 30 qm großer Vorgarten und ein 130 qm großer Gemüsegarten hinter dem Haus. Vor der unteren Häuserreihe wurde eine mit Bäumen und Sträuchern bepflanzte Grünfläche angelegt. Die beiden vorderen Reihen waren durch einen überdachten Durchgang verbunden, den eine Turmuhr krönte.

Das Else-Hamburger-Haus am Beuchelplatz

Auf Initiative seiner Ehefrau Else wurde ein Jahr vorher am Beuchelplatz ein Kinder- und Säuglingsheim eröffnet, das nach ihr benannte “Else-Hamburger-Haus”.

Da es sich bei der Albert Hamburger AG um eine jüdische Firma handelte, führten die politischen Maßnahmen der dreißiger Jahre zwangsläufig zu einem Rückgang der Umsätze. Am 28.02.1934 wurde über das Vermögen der Firma das Konkursverfahren eröffnet. Als Nachfolgerin wurde die “Mechanische Weberei Landeshut AG” gegründet. De facto war die Albert Hamburger AG nicht aufgelöst, sondern wie es damals hieß “arisiert” worden. Max Hamburger und auch sein Vetter Dr. Max Hamburger hatten zwar erwartet, in der neuen Gesellschaft noch gewisse Aufgaben übernehmen zu können, aber ihre Hoffnung erfüllte sich nicht.

1937 verließen Max und Else Hamburger Landeshut und begaben sich nach Berlin. Hier erkrankte Else Hamburger schwer und verstarb am 20.07.1937. Nach dem Tod seiner Frau reiste Max Hamburger zunächst für acht Wochen zu seinem Sohn nach Shanghai und anschließend besuchte er seinen ältesten Sohn Professor Dr. Victor Hamburger in St. Louis. Für kurze Zeit kam er im Jahre 1938 noch einmal nach Deutschland zurück und ging im selben Jahr für zwei Jahre erneut nach Shanghai, um dann zunächst endgültig nach St. Louis überzusiedeln. Einige Jahre später verließ er jedoch die Vereinigten Staaten von Amerika und verbrachte seine letzten Lebensjahre in Saint-Aubin-Sauges in der Schweiz. Hier verstarb er am 14. Mai 1952.

Landeshuter Seidenweberei, Dir. Gustav Hansing, Schreibendorfer Str. 9

Die Wiener Firma S. Eisenberger besaß in Neu-Rettendorf (Böhmen), etwa 15 km von Trautenau entfernt, eine Seidenweberei mit 650 mech. Webstühlen. Der Leiter dieses Betriebes war Direktor Friedrich Klaus. Als im Jahre 1898 eine erhebliche Zollerhöhung für Seidenware aus dem Ausland für Deutschland beschlossen wurde, fassten die Inhaber der Firma, Max und Alfred Eisenberger, den Entschluss, auf deutschem Boden, nahe der Landesgrenze, eine Zweigfabrik zu gründen. Als geeigneter Standort wurde Landeshut gewählt. Zum Leiter dieses neuen Werkes wurde der Schwiegersohn von Direktor Klaus, Herr Gustav Hansing ausersehen.

Gustav Hansing (17.05.1874 - 17.09.1959)

Gustav Hansing wurde am 17.05.1874 in Elberfeld als Sohn eines Reichsbahnbeamten geboren. Nach seiner Schulausbildung lernte er “Patronieren”, d. h. das Übertragen von Zeichnungen in maschinen-lesbare Symbole, aus denen in der Kartenschlägerei die “Jacquardkarten” geschlagen wurden, die später die Kettfäden mit den Schußfäden zu dem vom Zeichner entworfenen Gewebemuster verbanden. Um 1895 wurde er nach Rettendorf berufen und anschließend damit beauftragt, das Zweigwerk in Landeshut zu errichten, wo genügend Textilarbeiter zur Verfügung standen.

Im Frühjahr 1899 wurde ein Grundstück im Ortsteil Oberleppersdorf erworben und mit dem Bau der Weberei begonnen. Der Plan umfasste den Arbeitsraum für 100 Webstühle nebst Vorbereitungsmaschinen, Kesselhaus, Dampfmaschinen und Büroräume. Am 15. Mai 1900 konnte der Betrieb aufgenommen werden. Für die Arbeiter und deren Familien wurde das erste Familienhaus errichtet, das am 1. Juli 1900 bezugsfertig war.

Am 9. Juni 1903 starb mit nur 39 Jahren Alfred Eisenberger (Mitbesitzer der Firma). Im Frühjahr 1904 wurde der zweite Dampfkessel eingebaut und bereits im Jahre 1906 konnte die Firma um das Doppelte vergrößert werden. Gleichzeitig wurde das zweite Familienhaus errichtet.

Die Seidenweberei mit den Familienhäusern im Hintergrund

Schreibendorfer Str. 9 - Wohnhaus der Familie Hansing

Im November 1908 erwarb Geheimrat Paul Methner von Max Eisenberger die Seidenweberei, die ab 1. Januar 1909 unter der Firmenbezeichnung “Landeshuter Seidenweberei Paul Methner” geführt wurde. Der Kauf erfolgte, um dem Sohn des Geheimrates, Fritz Methner eine Existenz zu verschaffen. Direktor blieb aber Gustav Hansing, für den im Jahre 1910 ein Wohnhaus gebaut wurde. Ende 1918 trat Fritz Methner aus dem Betrieb aus und die Seidenweberei wurde am 1. Januar 1919 in die Firma “Schlesische Textilwerke Methner & Frahne A.G.” integriert.

Nach 1924 begann die wirtschaftliche Notzeit. Gustav Hansing verlor seine Stellung im Betrieb, musste seine Wohnung verlassen und zog mit seiner Familie in den zweiten Stock des Geschäftshauses Mosler. Trotz dieses Rückschlages gab er aber nicht auf. Mit Hilfe eines Bankkredites kaufte er 30 Webstühle und richtete eine kleine Seidenweberei im Betrieb von “Albert Hamburger” ein. Viele seiner früheren Mitarbeiter folgten ihm und halfen in dem neuen Betrieb. 1933 konnte er diese 30 Webstühle wieder in das alte Werk, diesmal unter “Kramsta, Methner & Frahne AG einbringen. Am 1. Juli 1933 wurde die Seidenweberei von den Textilwerken Methner & Frahne abgetrennt und als selbständige “Landeshuter Seidenweberei GmbH” weiter geführt. Später ging die Firma in den Besitz der Familie Hansing über.

Sohn Erich Hansing kehrte nach dem Abschluss seiner Studien in Krefeld und Köln sowie nach fünfjähriger Tätigkeit bei den “Vereinigten Seidenwebereien AG” in Krefeld Ende 1935 nach Landeshut zurück und trat in den Betrieb ein.

Erich Hansing (27.06.1905 - 01.04.1984)

Am 6. Januar 1947 kam das Ende und die Familie Hansing musste Landeshut verlassen und das Lebenswerk zurücklassen.

Firma Auto-Jäkel, Waldenburger Straße 19/20

Hermann Jäkel (20.04.1893 - 26.02.1979)

Im Jahre 1919 gründete Hermann Jäkel in Landeshut, Friedrichstr. 1/2 (Haus Hotel Wallisch), einen Fahrrad- und Nähmaschinenhandel. Bereits nach wenigen Jahren wurden sowohl der Laden als auch die Werkstatt viel zu klein. Er suchte dringend größere Räumlichkeiten und fand sie in der Waldenburger Straße. 1922 erwarb er hier ein Haus, an das er einen Laden und eine Werkstatt anbaute. Der Betrieb entwickelte sich so gut, dass dieser in den nächsten Jahren ständig vergrößert wurde. 1926 hatte Hermann Jäkel die Meisterprüfung für das Mechaniker- und Kraftfahrzeughandwerk erfolgreich abgelegt. Bereits 1929, zehn Jahre nach Gründung seines Betriebes, beschäftigte er 25 Mitarbeiter. Durch die starke Motorisierung in den dreißiger Jahren vergrößerte sich sein Betrieb immer weiter und bald war die Firma Jäkel ein “Opel-Betrieb”.

Auto-Jäkel in Landeshut

Firmenanzeige

Aufgrund der guten Verkaufserfolge wurde Jäkel Opelgroßhändler für fünf Kreise. Im Jahre 1936 erwarb er das Nachbargrundstück Nr. 20 und konnte somit eine größere Werkstatt mit neuzeitlichen Räumen für die Betriebsangehörigen schaffen. 1937 wurde in Waldenburg ein modernes Reparaturwerk mit Ausstellungsräumen, unterirdischen Garagen, Lackierereien und einer Stellmacherei errichtet.

Firmenwerbung

Im Jahre 1948 musste Hermann Jäkel mit seiner Familie Landeshut verlassen. Sein Lebenswerk, das er mit viel Fleiß, Mühen und Energie aufgebaut hatte, blieb zurück. Der Neuanfang war sehr schwer. In einer alten Scheune in Hannover wurde 1949 eine kleine Reparatur-Werkstatt errichtet. Aber schon bald konnte er sich wieder als Opel-Händler betätigen und nach guten Verkaufserfolgen erhielt er 1951 in Verden/Aller ein eigenes Verkaufsgebiet. Sein Sohn legte 1952 die Meisterprüfung für das Kraftfahrzeughandwerk ab. Die Firma Hermann Jäkel & Sohn wurde gegründet und mit neuem Mut und unermüdlichem Fleiß begann der Aufbau. Im März 1956 wurde ein moderner Neubau in Verden/Aller bezogen.

Auto-Jäkel in Verden/Aller

Firma Kramsta – Methner & Frahne AG, Schömberger Straße

Carl Methner (05.02.1821 - 04.03.1875)

Neben anderen Firmen hat das Unternehmen Methner & Frahne großen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung Landeshuts. Die Brüder Carl (1821 – 1875) und Robert Methner (1829 – 1868) gründeten am 1. Oktober 1852 in Landeshut auf der Wallstraße die Firma Gebr. Methner. Im Wohnhaus des älteren Bruders Carl wurde das Geschäftshaus mit den Kontorräumen eingerichtet. Ihre Kenntnisse hatten beide bei der Firma Christian Gottlieb Kramsta und Söhne in Freiburg erworben und waren bis zu ihrem Ausscheiden dort in leitender Stellung tätig gewesen. Außer ihrer geschäftlichen Erfahrung standen ihnen in Landeshut nur ihre verhältnismäßig bescheidenen Ersparnisse zur Verfügung. Aber mit großem Wagemut und eiserner Tatkraft ausgestattet, führten sie die Firma in den nächsten Jahren zu einem immer größer werdenden Unternehmen.

Robert Methner (08.11.1829 - 24.05.1868)

Im Jahre 1860 wurde in Ober-Leppersdorf ein größeres Grundstück erworben und auf diesem eine Bleich- und Appreturanstalt nach den neuesten Erfahrungen angelegt.

Der Wahlspruch der Firma Gebr. Methner lautete: “An Gottes Segen ist alles gelegen”.

Bronzeplakette mit dem Wahlspruch der Firma

Am 24. Mai 1868 starb der Mitbegründer der Firma, Robert Methner. Das Unternehmen wurde darauf von dem damaligen Alleininhaber, dem späteren Kommerzienrat Carl Methner, und seinem seit 1867 als Prokurist tätigen jüngeren Halbbruder Paul (1844 – 1919) mit stetig wachsendem Erfolg weitergeführt.

Paul Methner (21.11.1844 - 25.05.1919)

Dieser Paul Methner lebte seit dem Jahre 1856 im Hause seines Halbbruders Robert Methner und war von dessen Ehefrau Marie erzogen worden. Nach seiner Schulausbildung absolvierte er eine kaufmännische Lehre, trat 1860 in die Firma seiner Halbbrüder ein und war, wie oben erwähnt, seit 1867 als Prokurist tätig. Verheiratet war er seit dem 1. Juli 1873 mit Marie Weber, Tochter des Kaufmanns und Landeshuter Stadtverordnetenvorstehers und späteren Ehrenbürgers Karl Weber.

Heinrich Frahne (10.08.1847 - 07.07.1907)

Um 1867 trat auch Heinrich Frahne seine Tätigkeit bei der Firma Gebr. Methner an. Geboren wurde er am 10. August 1847 im westfälischen Brechten bei Dortmund als Pastorensohn. Nach dem Besuch des Dormunder Gymnasiums absolvierte er eine Ausbildung an der Höheren Webschule in Mühlheim und begann eine Kaufmannslehre. Zunächst war er als Vertreter und Reisender für die Firma Methner tätig. Nachdem er 1872 der Schwiegersohn des Kommerzienrates Carl Methner geworden war, ging er als Vertreter der Firma nach Köln. Nach dem Tode Carl Methners übernahmen Heinrich Frahne und Paul Methner am 1. April 1875 gemeinsam die Leitung der Firma. Für ihre Verdienste um das Unternehmen erhielten beide später den Titel “Geheimer Kommerzienrat”.

Verwaltungsgebäude an der Schömberger Straße

Hauptkontor im Verwaltungsgebäude

Ein wichtiges Jahr für die Firma war das Jahr 1878, in welchem infolge des immer mehr zunehmenden Absatzes auf dem der Firma gehörenden Grundstück in Ober-Leppersdorf eine mechanische Leinenweberei errichtet wurde. Um die erforderliche Garnbelieferung für die Weberei sicher zu stellen, wurde im Jahre 1883 die älteste deutsche Flachsgarnspinnerei der Gebr. Alberti in Waldenburg erworben. 1891 wurde dem Unternehmen die nahezu gleich große Spinnerei und Weberei nebst Appretur, Mangel, Färberei und mechanischer Näherei der Konkurrenzfirma C. Epner sen. in Landeshut angeschlossen und als Abteilung unter dem alten Firmennamen weiter geführt.

Firmenbriefkopf

Die immer weitere Ausdehnung des Geschäftes führte im Februar 1907 zur Gründung einer Aktiengesellschaft mit Rückwirkung auf den 1. Juli 1906. Seitfem lautete die Firma: Schlesische Textilwerke Methner u. Frahne AG. Den Vorsitz der neu gegründeten Aktiengesellschaft übernahm der Senior der Firma, Geheimrat Paul Methner, sein Stellvertreter wurde Dr. Curt Frahne (Sohn von Heinrich Frahne) und als drittes Mitglied trat Direktor Carl Michalowsky von der Deutschen Bank hinzu.

Paul Methner jun. (29.09.1876 - 18.09.1917)

Als geschäftsführende Vorstandsmitglieder wurden zwei Söhne der bisherigen Firmeninhaber, Paul Methner jun., der 1917 durch einen Unglücksfall im Alter von 41 Jahren verstarb, und Dr. Hans-Heinrich Frahne bestellt.

Auch in seiner veränderten Wirtschaftsform hielt der fortschrittliche Ausbau des Unternehmens weiter an. 1912 wurde eine neue mechanische Weberei in Schömberg den Werken hinzugefügt sowie 1919 – 1933 die Landeshuter Seidenweberei. Am 1. April 1927 wurde die Flachsfabrik Hermann Meyerowitz in Friedland (Kreis Waldenburg) unter Vorkaufs- und Optionsrechten gepachtet. Ferner gehörten zum Unternehmen die Spinnerei in Christianstadt am Bober, die Leinengarnspinnerei und Bleicherei vorm. Renner u. Co. in Röhrsdorf bei Friedeberg a. Queis und die Mechanische Weberei Eduard Knoll in Markausch, Bezirk Trautenau.

Dr. Hans-Heinrich Frahne (05.08.1877 - 1933)

Anfang der 1930-Jahre kam es zu einer wirtschaftlichen Krise. Auch andere schlesische Textilindustrien waren davon betroffen. Am 25. Juni 1931 kam es zum Zusammenschluss der AG Schlesische Leinen-Industrie (vorm. C. G. Kramsta & Söhne) mit den Schlesischen Textilwerken Methner & Frahne AG zur Ostdeutschen Tixtilindustrie AG. Generaldirektor blieb Dr. Hans-Heinrich Frahne. Im Jahre 1933 erfolgte die Liquidation. Zur Fortführung des Unternehmens wurde die Kramsta-Methner & Frahne GmbH gegründet, die 1935 erneut in eine AG umgewandelt wurde. Werke bestanden in Merzdorf/Riesengebirge (Flachsfabrik und Grünflachsspinnerei), Waldenburg (Leinenspinnerei), Landeshut (Leinen-, Halbleinen- und Schwerweberei) und Bolkenhain (Roh- und Gebildweberei). Im Jahre 1948 wurde der Sitz des Unternehmens nach Bielefeld verlegt. Die Auflösung der Gesellschaft erfolgte 1963.

Firma Felix Kirsten, Schlosserei, Schömberger Straße 2

Felix Kirsten (18.03.1891 - 19.01.1972)

Der Schlossermeister Felix Kirsten wurde am 18. März 1891 in Zittau geboren und verlebte seine Jugend in Seidenberg in der Oberlausitz. Das Schlosserhandwerk erlernte er ebenfalls in Seidenberg. Nach Abschluss der Lehre zog er nach Dresden und ging im Auftrag seiner dortigen Firma auf Montage. So gelangte er eines Tages nach Landeshut. Hier lernte er seine spätere Ehefrau kennen, eine Tochter der Hebamme Helene Ruppelt. Im Hause seiner Schwiegermutter, Schömberger Str. 2, mietete er einige Räume, um die Maschinen- und Bauschlosserei Felix Kirsten am 19.04.1919 zu eröffnen.

Geschäftshaus Schömberger Str. 2

Durch seine fachlichen Qualitäten konnte er den Betrieb recht bald ausbauen und nicht nur den damaligen Bedarf an Kunst- und Bauschlosserarbeiten decken, sondern wurde mit den neuen Techniken der damaligen Zeit gezwungen, das Installations- und Heizungsfach mit aufzunehmen. Noch vor Ausbruch des Krieges konnte er sich mit Erweiterungsplänen beschäftigen, so dass er die ehemalige Reithalle, Schömberger Str. 7, als Lagerhalle hinzukaufen konnte. Wenige Jahre später erwarb er das Grundstück Schömberger Str. 9, wo er mit seiner Familie bis zur Vertreibung wohnte. In Landeshut war er Obermeister der Schlosserinnung.

Firmenwerbung

Nach der Vertreibung kam er mit seiner Familie 1946 nach Nienburg/Weser. Es folgte eines schwere Zeit des Neubeginns. Er schmiedete Pläne und wollte wieder einen eigenen Betrieb gründen. Noch vor der Währungsreform wurde der Traum Wirklichkeit. Mit 2 Gesellen und 1 Lehrjungen wurden in einer kleinen Werkstatt unter schwierigsten Bedingungen Reparaturen ausgeführt.

Neuanfang in Nienburg/Weser - Familie Kirsten - Bürgel

Bruno Bürgel (geb. 1925 in Landeshut)

Im Jahre 1953 erfolgte der Umzug der Firma an den heutigen Standort, Ziegelkampstr. 18. Zwischenzeitlich war sein Schwiegersohn Bruno Bürgel (ein ehemaliger Lehrling aus Landeshuter Zeiten) in die Firma eingetreten. Zunächst wurde eine Familiengesellschaft gegründet, später eine OHG. Im Jahre 1972 erfolgte durch Bruno Bürgel die Umwandlung des Unternehmens in die Bürgel + Kirsten GmbH.

Eberhard Bürgel (geb. 1954)

Als Vertreter der 3. Familiengeneration trat 1982 Eberhard Bürgel nach Abitur, Lehre und Studium der Versorgungstechnik in den Betrieb ein und übernahm 1987 als Geschäftsführer auch die Mehrheit der Gesellschaftsanteile. Nach einer Zusatzausbildung zum Schweißfachingenieur erweiterte er den Tätigkeitsbereich 1987 gemeinsam mit seinem Bruder, dem Kälteanlagenbauermeister Wolfgang Bürgel, um den Betriebsteil Kältetechnik. Durch die Unterstützung eines Neffen des Gründers gelang es Eberhard Bürgel bereits 1990 mit einer Filiale in Görlitz neue Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen und den Grundstein für einen Zweigbetrieb zu legen.

Das Werk von Felix Kirsten wird somit durch seine Nachkommen erfolgreich weiter geführt.

Modehaus Arthur Lindau, Wilhelmstraße 5

Arthur Lindau (21.02.1885 - 28.08.1963)

Der Textilkaufmann Arthur Lindau wurde am 21.02.1885 in Hirschberg geboren, als Sohn des dortigen Konditormeisters Oskar Lindau und dessen Ehefrau Hedwig. Nach 1909 zog die Familie Lindau nach Landeshut und eröffnete im Haus Markt Nr. 15 die bekannte Konditorei und das Café Lindau, welches später Arthur Lindaus Bruder Paul führte. Neben seiner kaufmännischen Lehre in Hirschberg war Arthur Lindau in vielen deutschen Großstädten in maßgebenden Häusern der Textilbranche tätig. Zur weiteren Ausbildung nahm er vor dem ersten Weltkrieg einige Auslandsstellungen an, die ihn in führende Modehäuser in Mailand und Lausanne brachte. Während des ersten Weltkrieges wurde er schwer verwundet. Nach weiterer 15jähriger Tätigkeit bei der Berliner Firma Seidenhaus Michels kam er im Juli 1934 nach Landeshut zurück, um sich in dem Textilwarengeschäft an der Wilhelmstraße 5 selbständig zu machen. Dies führte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Lotte bis zur Vertreibung.

Firmenwerbung

Im Jahre 1946 kam Arthur Lindau mit seiner Ehefrau und den Kindern Manfred und Brigitte nach Oberstdorf. Hier begann ein schwerer Neuanfang. Sein Wunsch war die Wiedereröffnung eines eigenen Geschäftes. In Ladengemeinschaft mit einem Friseur bot er auch bald wieder Modewaren zum Verkauf an. Am 5. Mai 1948 konnte er in Sonthofen wieder ein eigenes Geschäft eröffnen, dem im Januar 1954 die Gründung eines Zweiggeschäftes in Oberstdorf folgte.

Geschäft in Oberstdorf

Arthur Lindau war nunmehr auch im Allgäu wieder ein Begriff für modische Damen- und Herrenartikel. Das Hauptgeschäft in Sonthofen wurde bis zum Jahre 1962 geführt und die Filiale in Oberstdorf bis zum Jahre 1964.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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