Firmengeschichten M – Z

Kurz-, Weiß- u. Wollwarengeschäft Hermann Pursch, Langhansstraße 11

Geschäftsgründer Hermann Pursch

Hermann Pursch aus Glogau kam im Jahre 1885 mit seiner Ehefrau Christiane und den Söhnen Oscar und Bruno nach Landeshut, um hier ein Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäft zu eröffnen. Es war zunächst ein ganz bescheidener Beginn. Er pachtete ein Ladenlokal in einem Eckhaus, welches sich an der Stelle befand, an der 1905 das neue Rathaus errichtet wurde. Zur Eröffnung des Geschäftes erhielt er von seinem früheren Chef in Glogau einen Kredit in Höhe von 3000 Mark. Die ersten Tageseinnahmen waren sehr bescheiden und lagen bei drei Mark. Doch unermüdlicher Fleiß und die Lieferung von guter und preiswerter Ware ließen den Start gelingen, so dass nach fünf Jahren in dem späteren Moslerschen Haus an der Schmiedeberger Straße, gegenüber der Löwen-Apotheke, ein wesentlich größerer Laden gemietet werden konnte. Darüber hinaus besaß Hermann Pursch in den Jahren 1900 bis 1905 auch eine Filiale in Liebau. Sie befand sich am Markt neben dem Hotel Kyffhäuser.

Geschäftshaus Pursch

Als der Pachtvertrag im späteren Moslerschen Haus im Jahre 1905 endete, erwarb er das Haus an der Böhmischen Straße 11 (später Langhansstraße). In diesem Haus befand sich vorher eine Fleischerei mit nur zwei kleinen Schaufenstern. Hermann Pursch baute das gesamte Erdgeschoss um, so dass fünf große Schaufenster mit elf Schaukästen entstanden. Später kam noch die gesamte erste Etage dazu. Im Jahre 1906 übergaben Hermann und Christiane Pursch den Söhnen Oscar und Bruno das Geschäft und setzten sich in Hermsdorf/Kynast zur Ruhe.

Geschäft Pursch

Oscar Pursch wurde am 23. Juli 1879 in Glogau geboren. Nach der Schulzeit absolvierte er in Breslau eine mehrjährige Lehrzeit. Anschließend arbeitete er gemeinsam mit den Eltern und seinem jüngeren Bruder Bruno im Geschäft. An den Werktagen war das Geschäft bis 21 Uhr geöffnet, sonntags bis 19 Uhr. Am Sonntagvormittag mussten die Schaufenster allerdings mit schwarzen Tüchern verhängt sein, damit die Kirchgänger auf dem Wege zur Kirche nicht in ihrer Andacht abgelenkt wurden. Im Jahre 1924 heiratete er Johanna Hoffmann. Aus dieser Ehe gingen 1 Sohn und 2 Töchter hervor. Nach der Vertreibung lebte die Familie Oscar Pursch in Langelsheim am Harz. Hier führte Oscar Pursch einige Jahre ein kleines Textilgeschäft. Er starb am 15. Juni 1982 in Bergfeld, Landkreis Gifhorn.

Oscar Pursch (23.07.1879 - 15.06.1982)

Bruno Pursch (17.01.1882 - 14.03.1964)

Bruno Pursch wurde am 17. Januar 1882 in Glogau geboren. Er besuchte in Landeshut das Realgymnasium bis zum Einjährigen und trat danach in das Geschäft seiner Eltern ein. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Oscar führte er dieses Geschäft bis zur Vertreibung. Im Jahre 1946 kam er nach Abbenfleth an der Unterelbe und starb am 14. März 1964 in Holenwisch bei Wischhafen, Kreis Stade.

 

 

Die Langhansstraße, links das Geschäftshaus Pursch

Firma Carl Renner Nachf., Inhaber Ernst Brinkop, Mühlgrabenpromenade

Ernst Brinkop (18.07.1886 - 21.05.1958)

Der Fabrikbesitzer Ernst Brinkop wurde am 18.07.1886 in Dörnten, Kreis Goslar, geboren. Seine Vorfahren waren über vier Generationen hinweg Bäckermeister. Sein Vater, Wilhelm Brinkop, riet seinem Sohn dringend, keinesfalls einmal die Bäckerei zu übernehmen, sondern ein Handwerk mit dem Ziel zu erlernen, sich selbständig zu machen.

Ernst Brinkop erlernte in Goslar das Schlosserhandwerk und bestand seine Gesellenprüfung mit “sehr gut”. Im Anschluss an seine Militärdienstzeit besuchte er in Roßwein/Sa. die Schlosser- und Maschinenbauschule und wurde zum Techniker ausgebildet. Nach seinem Studium trat Ernst Brinkop in Landsberg an der Warthe eine Stellung an. Von hier aus nahm er erstmals Kontakt zu Herrn Renner in Landeshut auf. Dieser war kinderlos und suchte einen versierten Techniker, der dann später – zusammen mit seinem Neffen – die Firma übernehmen sollte. Im Jahre 1911 trat Ernst Brinkop bei Herrn Renner ein und bearbeitete den ganzen technischen Bereich, wie Kalkulation, Angebotsbearbeitung, Konstruktion, Arbeitsvorbereitung und Fertigungsüberwachung. Aufgrund eines Zerwürfnisses zwischen Herrn Renner und seinem Neffen musste dieser aus der Firma ausscheiden. Ernst Brinkop konnte am 1. April 1912 die Firma Carl Renner Nachfolger Ernst Brinkop gründen.

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Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Fabrik wesentlich ausgebaut und die Herstellung von Stahltüren und Stahltoren aufgenommen. Im Laufe der Jahre vergrößerte Ernst Brinkop noch mehrmals den Betrieb durch Neubauten. Während des 2. Weltkrieges wurde ein Gelände auf der anderen Seite des Bobers käuflich erworben und durch eine Brücke mit dem alten Werksgelände verbunden. Seit der Gründung war es ihm gelungen, seine Fabrik zur zweitgrößten Firma auf dem Sektor des Stahltürenbaus auszubauen. Die gefertigten Tore und Türen gingen sowohl ins Inland, als auch ins europäische und überseeische Ausland.

Das Stammwerk in Landeshut

Auch Ernst Brinkop blieb die Vertreibung nicht erspart. Mit einem Rucksack auf dem Rücken verließ er Landeshut. Sein Lebenswerk blieb in Landeshut zurück. Am Ende des Krieges waren insgesamt 520 Personen beschäftigt. Die Produktionsfläche umfasste 8.000 qm. Seine Grundstücke einschließlich des Grundstückes auf der nördlichen Boberseite mit den dazugehörigen Wiesen waren insgesamt 40.000 qm groß.

Werner Brinkop (1918 - 02.04.1992)

Der Neuanfang nach 1946 war auch für die Familie Brinkop sehr schwer. Im März kam Sohn Werner aus der Gefangenschaft zurück. Ernst Brinkops großer Wunsch war die Wiedergründung seiner Firma in Westdeutschland. Bis zur Realisierung dieses Vorhabens war es aber noch ein weiter Weg. Er arbeitete u. a. als Dreschmaschinenführer bei der Gemeinde in Göttingen und als Treuhänder bei einer Stahlbaufirma in Hannover. Nach der Währungsreform wurde er arbeitslos und hatte nun die Möglichkeit, durch viel mehr Zeit ganz intensiv an der Wiedergründung seiner Firma zu arbeiten. Am 1. November 1951 war es endlich soweit. Die Firma wurde unter dem neuen Namen Ernst Brinkop, vorm. Carl Renner Nachfolger in Hannover – Vahrenwald gegründet. Sohn Werner Brinkop trat in die väterliche Firma ein und übernahm sie nach dem Ausscheiden seines Vaters im Jahre 1954. Durch sein geschäftliches Geschick konnte die Firma ständig vergrößert werden. Im Jahre 1978 wurde die Firma in eine GmbH & Co. umgewandelt und firmiert mit dem Namen Brinkop Stahltore GmbH & Co.

Heinz Brinkop

Am 1. April 1982 trat der zweitälteste Sohn Heinz als späterer Nachfolger in die Firma Brinkop Stahltore ein. Ende des Jahres 1985 konnten Werner und Heinz Brinkop einen weiteren geschäftlichen Erfolg verbuchen. Sie gründeten eine neue Gesellschaft, die Brinkop GbR. Am 1. April  1987 wurde zusätzlich noch eine 3. Firma, die “Brinkop EDV-Systemlösungen GmbH”, gegründet. Heinz Brinkop hatte sich so gut in die Computertechnik eingearbeitet, dass er ein zusätzliches Betätigungsfeld übernehmen konnte.

Das Lebenswerk von Ernst Brinkop wird somit erfolgreich weiter geführt.

Firma J. Rinkel AG, Flügelstraße und Schmiedeberger Straße 22

Eine der größten Landeshuter Textilfirmen war die J. Rinkel AG. Der Firmengründer Isidor Rinkel erblickte im Januar 1815 in Schlichtingsheim (Provinz Posen) als Sohn des Fabian Rinkel und dessen Ehefrau Charlotte, geb. Schoeps, das Licht der Welt. Hier verlebte er mit seinen Geschwistern die Kindheit und absolvierte die Schulausbildung. Er wollte Medizin studieren, um später den Menschen helfen zu können. Aber dieser große Wunsch ließ sich nicht erfüllen. Sein Enkel Georg Solmssen schrieb später: “Trotz Stundengebens und der Erlangung von Freitischen konnte er die für das Studium erforderlichen Mittel nicht aufbringen”. So wählte er den kaufmännischen Beruf und sollte später als Leinenfabrikant sehr erfolgreich werden. Bevor er im Jahre 1862 die Eintragung seiner Leinenfirma in das Handelsregister beantragte, hatte er bereits zwanzig Jahre lang in Landeshut ein Bankgeschäft betrieben. In der Landeshuter Kurzen Gasse eröffnete er seine Geschäftsräume und betrieb hier nun ein Bank- und Leinengeschäft nebst Handweberei mit Zweigniederlassungen in Köln (ab 1865) und Trautenau in Böhmen.

Geschäftshaus an der Bahnhofstraße

Bereits zu Beginn der siebziger Jahre gehörte die Firma zu den angesehensten Handwebereien des Landes. Neben den schon bestehenden Zweigniederlassungen wurden nun auch Filialen in Berlin und Wien gegründet. Als die Geschäftsräume in der Kurzen Gasse zu klein wurden, zog die Firma 1876 in das neu errichtete Geschäftshaus gegenüber dem Bahnhof um.

Verheiratet war Isidor Rinkel mit Ernestine, geb. Hahn. Soweit bisher bekannt, wurden während der Ehe zwei Töchter geboren, die beide sehr bedeutende jüdische Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens heirateten. Fanny Rinkel (1844 – 1917) vermählte sich mit Adolf Schwerin, Handelsrichter und Eigentümer einer großen Firma, und zwar der 1815 gegründeten Breslauer Garn- und Zwirnfabrik I. Schwerin & Söhne AG. Sara Rinkel (1851 – 1929) heiratete Adolph Salomonsohn, Jurist und Prokurist der Disconto-Gesellschaft mit Sitz in Berlin. Sie war bis zur 1929 vollzogenen Fusion mit der Deutschen Bank eine der größten deutschen Bankgesellschaften.

Da Isidor Rinkel keine männlichen Nachkommen hatte, bemühte er sich schon früh um einen geeigneten Nachfolger, der sein Lebenswerk später einmal in seinem Sinne fortführen würde. Er fand ihn in seinem Neffen Hermann Rinkel. Dieser wurde am 14. Juni 1854 in Schlichtingsheim in der Provinz Posen geboren. Nach dem Abitur studierte er in Leipzig Nationalökonomie und begann anschließend bei seinem Onkel Isidor eine Lehre als Kaufmann. Um Erfahrungen auf webtechnischem Gebiet zu sammeln, begab er sich auf Reisen.

Hermann Rinkel (14.06.1854 - 17.05.1933)

Fabrikgebäude an der Bahnhofstraße

Nach dem Rückzug seines Onkels aus dem Unternehmen wurde Hermann Rinkel am 1. Juli 1881 Alleineigentümer der Firma. Schon bald erkannte er, dass der Handweberei wohl nur noch eine kurze Lebensdauer beschieden sein würde und der mechanische Webstuhl die Zukunft bedeute. Er wagte den riskanten Schritt in ein neues Zeitalter und ließ 1885 auf den Pfaffenwiesen in Landeshut die erste mechanische Weberei mit 150 Webstühlen errichten. Der geschäftliche Erfolg sollte ihm Recht geben. Gemeinsam mit seinem als Prokurist tätigen Berater, dem späteren Kommissionsrat August Doerner, baute er die Firma zu einem immer größer werdenden Unternehmen aus. Bereits im Jahre 1924 bestand die Firma aus 1.000 Webstühlen.

Links: Geschäftshaus der Königlichen Seehandlung, rechts: Geschäftshaus der Firma Brodkorb und Drescher

1913 erwarb Hermann Rinkel die bis zu diesem Zeitpunkt im Besitz der Königlichen Seehandlung in Berlin befindliche Flachsgarn-Maschinen-Spinnerei in Landeshut, Schmiedeberger Straße. Nunmehr beschäftigte das Werk rund 1.300 Arbeitskräfte. Am 1. Mai 1922 erfolgte die Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft. Das Aktienkapital wurde ausschließlich von Familienmitgliedern übernommen.

Werbekarte der Firma

Durch den geschäftlichen Weitblick Hermann Rinkels wurde die J. Rinkel AG zu einem Textilwerk, das weit über die Grenzen Schlesiens und auch Deutschlands hinaus bekannt wurde. Angesehene Unternehmen beriefen ihn zur Mitarbeit in ihre Aufsichtsräte. Auf Grund seiner großen Verdienste wurde ihm der Titel “Geheimer Kommerzienrat verliehen. Für seine Mitarbeiter ließ er Arbeiter- und Beamtenhäuser errichten. Nachdem die Verwaltung mit dem Hauptbetrieb zusammengelegt wurde, diente das frühere Geschäftshaus gegenüber dem Bahnhof später als Wohnhaus für leitende Angestellte. Das Hotel “Kaiserhof” war früher einmal das Gästehaus der Firma J. Rinkel AG. Die Bewirtschaftung des Hotels wurde Pächtern übertragen.

Hotel Kaiserhof - Bahnhofstraße

Hermann Rinkel gehörte zu den Begründern der Ziedertalbahn, die er auf eigene Kosten erbauen ließ. Sie wurde im Jahre 1899 der Öffentlichkeit übergeben. Diese Bahn verband Landeshut mit Grüssau, Schömberg und endete in Albendorf an der Grenze zum Sudetenland. Zur Erhaltung dieser Eisenbahnlinie brachte er alljährlich große Opfer auf.

Schloss Krausendorf

Verheiratet war Hermann Rinkel mit Berta, geb. Oberländer, Tochter des K. K. Kommerzialrates Moritz Oberländer und dessen Ehefrau Marie, geb. Morawetz. Zwei Söhne wurden während der Ehe geboren, Franz und Herbert, der eine Enkeltochter des bekannten Dichters Theodor Fontane ehelichte. Mit seiner Familie bewohnte Hermann Rinkel das im Jahre 1900 erworbene Schloss Krausendorf.

Der Firmengründer Isidor Rinkel starb am 17. April 1896 in Breslau und wurde dort auf dem jüdischen Friedhof an der Lohestraße beigesetzt. Seine Grabtafel ist erhalten geblieben, ebenso die seines Schwiegersohnes Adolf Schwerin.

Konfektionsgeschäft Hermann Schlums, Markt Nr. 29

Um 1850 wurde in Landeshut das Konfektionsgeschäft Hermann Schlums gegründet. Es entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem über die Stadtgrenze hinaus sehr bekannten Modehaus.

Schneiderwerkstatt Hermann Schlums (Aufnahme: 1904)

Markt Nr. 29 - Kaufhaus Schlums

Das über mehrere Etagen betriebene Konfektionsgeschäft mit großer Schaufensterfront befand sich in einem sehr geschichtsträchtigen Haus. Errichtet wurde es im 17. Jahrh. von dem aus Reval gebürtigen Liegnitzer Baumeister Martin Frantz, dem Erbauer der Gnadenkirchen in Hirschberg und Landeshut. In diesem Haus verweilte am 10. August 1743 und am 1. März 1749 König Friedrich der Große. Ein weiterer berühmter Besucher aus dem Hause Preußen war König Friedrich Wilhelm II. am 8. Juli 1790. Noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich an der Hausfassade eine Gedenktafel, die an die Besuche erinnerte. Heute wird diese Tafel im Niederschlesischen Webereimuseum in Landeshut aufbewahrt.

Gedenktafel (aus der Sammlung von Ursula und Josef Chec)

Das Haus gehörte früher und auch heute wieder zu den schönsten Bürgerhäusern am Markt. Der frühere Landeshuter Bürgermeister Günther Ries ließ anlässlich des 200. Geburtstages von Carl Gotthard Langhans 1933 einen Wettbewerb für das künstlerisch wertvollste Bürgerhaus ausrichten. Den ersten Platz belegte das Haus der Kaufmannsfamilie Schlums.

Zwischen 1925 und 1938 verstarb Hermann Schlums. Emmi Schlums vermählte sich mit Otto Hanetzki und führte das Modehaus gemeinsam mit ihrem Ehemann unter dem bisherigen Firmennamen “Hermann Schlums” weiter. Nach 1946 kam das Ehepaar nach Lüdenscheid und gründete auch hier wieder ein Konfektionsgeschäft. Emmi Hanetzki-Schlums verstarb am 9. September 1964 in Lüdenscheid.

Zementwarenfabrik Paul Strecker, Hirschberger Straße 19

Paul Strecker, geboren am 5. Januar 1876 in Neuen (Kreis Landeshut), gründete am 2. November 1903 in Ober-Leppersdorf Nr. 5 (später Hirschberger Str. 19) die weit über die Stadtgrenze hinaus bekannte Zement- und Betonwarenfabrik. Es wurden Zementwaren aller Art, Terrazzo, Steinholz-Silos für Gärfutter, Brunnenanlagen und Betonteile für Brückenbauten hergestellt.

Seit dem 22. Februar 1903 war er mit der am 22. Februar 1883 in Bolkenhain geborenen Pauline Mentner verheiratet. Auch das Ehepaar Strecker musste 1946 Landeshut verlassen und das mit viel Mühen und Fleiß aufgebaute Lebenswerk zurücklassen. Sie kamen mit ihrer Familie nach Barver, Kreis Diepholz. Dort starb Paul Strecker am 22. März 1955.

Hirschberger Str. 19 - Wohnhaus der Familie Strecker

Das Viktoriabad von Heinrich Deisenroth, Bolkenhainer Straße 17

Heinrich Deisenroth als Karnöffelkönig im Jahre 1934

Im Jahre 1920 kam der in Bochum-Hofstede in Westfalen geborene Heinrich Deisenroth mit seiner aus Breslau stammenden Ehefrau Margarethe nach Landeshut und gründete hier das bekannte Viktoriabad.

Nach seiner Schulausbildung ließ er sich zum Krankenpfleger ausbilden. Anschließend erfolgte eine Ausbildung zum Bademeister und Masseur. Berufliche Erfahrungen sammelte er in mehreren großen Sanatorien in der Schweiz und in Frankreich. Bevor Heinrich Deisenroth nach Landeshut kam, war er im Sanatorium Ziegelroth in Krummhübel tätig.

Das Landeshuter Viktoriabad (aus der Sammlung von Ursula und Josef Chec)

Das Landeshuter Viktoriabad war weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Mit Licht- und Dampfbädern wurden u. a. Rheumaerkrankungen, Nerven- und Herzkrankheiten behandelt.

Im Jahre 1932 erhielt Heinrich Deisenroth seine Zulassung als Heilpraktiker in Biochemie und Homöopathie und war im selben Jahr Mitbegründer des biochemischen Vereins Landeshut. Die biochemischen Vereine Liebau, Schömberg, Schmiedeberg und Hirschberg wurden von ihm gegründet und betreut.

An den Spätfolgen seiner im 1. Weltkrieg erlittenen Verletzung verstarb er bereit im Jahr 1941. Seine Ehefrau Margarethe kam 1946 nach Hilden/Rheinland. Später wanderte sie zu ihrem bereits seit 1954 dort lebenden Sohn Hans nach Amerika aus. Dort verstarb sie am 2. Mai 1986.

Juwelierfamilie Wehner, Kornstraße 4

Geschäftsgründer Gustav Wehner (11.11.1832 - 01.02.1896)

Der Goldschmied Gustav Wehner wurde am 11.11.1832 in Oberlangenöls, Kreis Lauban geboren. Im Jahre 1866 gründete er in Landeshut, Kornstraße 4 das Juweliergeschäft, welches bis zur Vertreibung im Besitz der Familie Wehner blieb. Bereits sein Vater und auch sein Großvater werden in den Urkunden als Goldarbeiter geführt. Gustav Wehner war zweimal verheiratet. Der Sohn aus der 1. Ehe setzte die Familientradition fort. Er wurde ebenfalls Goldarbeiter und ging nach Jauer.

Schatulle mit Silberlöffeln - Juweliergeschäft Gustav Wehner

Nach dem Tod seiner 1. Ehefrau heiratete Gustav Wehner Bertha Bachmann, die nach seinem Tod (01.02.1896) das Geschäft ihres verstorbenen Ehemannes übernahm.

v. re. n. li.: Alfred Wehner jun., Bertha Wehner, Alfred Wehner sen., seine ledige Schwester Margarete (Aufnahme ca. 1901)

Alfred Wehner sen. (26.11.1869 - 18.03.1947) mit der Kette des Schützenkönigs des Karnöffelvereins im Jahre 1939

Der gemeinsame Sohn Alfred Wehner sen. (geb. 26.11.1869 in Landeshut) trat in das elterliche Geschäft ein und übernahm es später. Neben dem Beruf als Goldschmied war er auch Zahntechniker. Er verstarb am 18.03.1947 in Elberfeld.

Schmuckkästchen Juweliergeschäft Alfred Wehner vor 1914

 

 

 

 

 

 

Alfred Wehner jun. (08.08.1898 - 29.01.1986)

In der 3. Generation führte Alfred Wehner jun. (geb. 08.08.1898 in Landeshut) das Geschäft seiner Vorfahren weiter. Zunächst erlernte er (aus gesundheitlichen Gründen) den Beruf des Gärtners. Nach dem Tod seines Bruders Carl trat er aber 1918 in das Geschäft des Vaters ein und machte eine externe Ausbildung zum Goldarbeiter und Graveur. 1930 erfolgte die Übernahme des Geschäftes vom Vater und danach Firmierung unter “Wehner u. Co., Inhaber Alfred Wehner jun.”.

Schaufenster des Juweliergeschäftes Wehner, Kornstr. 4, Landeshut

Schaufenster des Juweliergeschäftes Wehner, Kornstr. 4, Landeshut

Nach 1946 begann ein schwerer Neuanfang in Marschacht/Elbe. Familie Wehner wohnte gemeinsam mit vielen Familien und der Pfarrfamilie im Pfarrhaus. 1947 erhielt Alfred Wehner jun. die Genehmigung zum Ausbau der Pfarrhausveranda für ein Ladengeschäft. Sein Schwager Otto Hübner (früher Markt Nr. 11) erwarb 1953 ein Haus in Marschacht und eröffnete dort 1954 einen “Edeka-Laden”. Er bot Alfred Wehner jun. an, in diesem Haus neben seinem Laden ein Juweliergeschäft zu eröffnen. Hier konnten Margarete und Alfred Wehner jun. im Oktober 1966 mit der Familie und Freunden das 100jährige Geschäftsjubiläum begehen. Im Herbst 1968 erfolgte dann aus Altersgründen die Aufgabe des Geschäftes. Damit endete die über 100jährige Firmengeschichte der Juwelierfamilie Wehner.

Rechts das Schaufenster des Juweliergeschäftes Wehner in Marschacht - Personen 1. Reihe rechts: Kaufmann Otto Hübner (fr. Markt Nr. 11), ein Nachbar, Schwiegermutter Frau Fuhrmann (fr. Markt Nr. 11), Herr Trulley (fr. Geschäft Kornstr.), Margarete Wehner, 2. Reihe von rechts: Alfred Wehner, 3. Person Frau Trulley, links Frau Heilmann, ganz hinten Ernst Heilmann (fr. Kirchstr.)

Karl-Heinz Wehner vor seinem Elternhaus, Kornstr. 4 (1994)

Kornstraße im Jahre 1994 - von hinten die Geschäfte Papier - Trulley, Zigarren - Leyser, Blumen - Grunert, Juwelier Wehner

Bilder und Daten wurden von Karl-Heinz Wehner (Sohn von Alfred Wehner jun.) zur Verfügung gestellt.

Buchdruckerei Armin Werner, Wallstraße 38

Firmengründer Armin Werner (06.02.1848 - 27.11.1899)

Der Buchdruckereibesitzer Armin Werner wurde am 06. Februar 1848 als Sohn eines Schieferdeckermeisters in Armenruh, Kreis Goldberg geboren. Nach Beendigung seiner Schulzeit sollte er dem Willen seines Vaters folgend Geistlicher werden. Der junge Armin hatte jedoch einen ganz anderen Berufswunsch, ihn interessierte Gutenbergs schwarze Kunst. Er setzte sich durch und absolvierte eine Druckerlehre. Da er ein fleißiger und eifriger Lehrling war, wurde er bereits mit 18 Jahren freigesprochen. Als Wanderbursche zog er dann hinaus, um Land und Leute kennen zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Sein Weg führte ihn bis nach Paris. In mehreren deutschen und österreichischen Orten hielt er sich auf. Meistens war er aber in Berlin und Leipzig und arbeitete dort vielfach als Fremdsprachensetzer.

Nach etlichen Jahren der Wanderschaft wollte Armin Werner sesshaft werden und eine selbständige Tätigkeit ausüben. Er liebte seine schlesische Heimat und die Berge. So gelangte er nach Landeshut. Am 1. Juli 1874 gründete er an der Gartenstraße seine eigene Druckerei und gab das “Landeshuter Stadtblatt” heraus. Die Anfänge waren recht bescheiden. Das Einlagekapital bestand aus 110 Thalern, einige Setzkästen und eine Handpresse bildeten das Inventar. Mut zum Risiko, viel Fleiß und Einsatzbereitschaft brachten aber Erfolg. Bereits nach einem Jahr waren die Räumlichkeiten zu klein. Mit der finanziellen Unterstützung seines Vaters erwarb er das gegenüber der Wallstraße gelegene Ertelt`sche Haus. Im Herbst erfolgte der Umzug. Aber nicht nur berufliche Erfolge konnte er erzielen, auch privat stand das Glück an seiner Seite. Er heiratete 1877 und im Laufe der Jahre wurde er Vater von sechs Kindern.

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Armin Werners Druckereibetrieb wurde weit über die Stadtgrenze Landeshuts hinaus bekannt und er bekam immer größere Aufträge. Im Jahre 1888 verkaufte er das bisher genutzte Haus und verlegte seinen Betrieb in das vom Kaufmann Schlesinger erworbene Haus an der Pfortengasse/Ecke Wallstraße, das später im ganzen Kreis als das “Tageblatthaus” bezeichnet wurde.

"Tageblatthaus" Werner - Pfortengasse/Ecke Wallstraße

Obwohl die Wernersche Druckerei am 12. September 1896 weitere Konkurrenz durch die Buchhandlung und Buchdruckerei des Paul Schultze und 1906 durch die Gründung der Buchdruckerei Richter & Goebel in der Kurzen Gasse erhielt, nahmen die Aufträge nicht ab und der Betrieb konnte weiterhin Erfolge erzielen.

Das 25jährige Geschäftsjubiläum überlebte Armin Werner nur um wenige Monate. Er verstarb bereits am 27. November 1899. Sein Sohn Rudolf Werner führte den Betrieb fort, in den dann später sein Schwager Georg John als Teilhaber eintrat. Rudolf Werner verstarb allerdings noch vor 1945 in Landeshut. Bis zur Vertreibung blieb die Druckerei im Besitz der Familie Werner/John.

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