Kaffeehäuser und Bäckereien

Neben den Gaststätten gab es in Landeshut auch zahlreiche Kaffeehäuser, Konditoreien und Bäckereien. Auf dem folgenden Bild sind einige bekannte Bäcker abgebildet (Aufnahme ca. 1930).

Von rechts nach links: Paul Wieland (Schmiedeberger Str. 7), Josef Maywald (Friedrichstr. 12), Johann Rada (Kreppelhofstr. 8), Hermann Steudler (Waldenburger Str. 29), Max Wolf (Perschkestr. 5), Hugo Holzbecher (Hirschberger Str. 22), Richard Radetzki (Wilhelmstr. 6), Ernst Wieland (Schmiedeberger Str. 7) u. der Gastwirt aus dem "Deutschen Kaiser".

Friedrichstraße

Konditorei und Café Bettermann

Friedrichstraße 11 - Konditorei und Cafe Richard Bettermann

Am 1. Oktober 1865 eröffnete der Konditormeister August Bettermann in Landeshut im Hause des späteren Hotels Wallisch eine Konditorei und Zuckerbäckerei. Als sein Sohn Richard Bettermann 1902 das Geschäft übernahm, erwarb er das Haus Friedrichstraße 11. Hier, gegenüber der katholischen Kirche, lautete die Firma “Richard Bettermann`s Conditorei und Café”. Dieser Betrieb bestand dort, bis das Hutgeschäft des Stadtrates Jentsch in diese Geschäftsräume zog.

Verschlussmarke - Konditorei Bettermann

Im Jahre 1919 erfolgte die Übersiedlung in das Haus Friedrichstraße 16/Ecke Obertor. Hier wurde durch Umbauten ein modernes Café errichtet, an das sich ein Ladengeschäft anschloss. Seit 1931 führten Richard Bettermanns Söhne Paul und Gerhard den Betrieb weiter. Im Jahre 1938 erfolgte ein nochmaliger Umbau.

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Friedrichstraße 16/Ecke Obertor - Konditorei und Kaffee Bettermann

Bäckerei und Café Maywald

Der Bäckermeister Josef Maywald wurde 1889 in Schömberg geboren. Nach der Schulzeit absolvierte er eine Bäckerlehre bei dem Bäckermeister Paul Heinzel in Schömberg und ging anschließend einige Zeit auf Wanderschaft. Bis zum Ausbruch des Krieges und Einberufung zum Kriegsdienst war er dann als Geselle bei verschiedenen Bäckermeistern tätig.

Links: Bäckerei Kriegel, daneben Konditorei Bettermann

1919 zog er nach Landeshut und heiratete hier die Tochter des bekannten Glasermeisters Blodau. Er übernahm die Bäckerei des Bäckermeisters Hermann Kriegel, Friedrichstraße 12. Hier stellte er Brot, Semmeln und Kuchen her. Bald aber spezialisierte er sich auf das Backen von Pfefferkuchen und ähnlichen Leckereien. Er belieferte mit seinen Waren auch andere Bäckereien, die sich mit dieser speziellen Backkunst nicht beschäftigten. Sein bekannter Werbespruch lautete: “Pfefferkuchen, dick und fein, kann nur von Josef Maywald sein”.

Zwei Söhne erlernten ebenfalls das Bäckerhandwerk, Fleischermeister wurde der dritte Sohn.

Friedrichstraße 12 - Bäckerei Josef Maywald

Hirschberger Straße, vormals Leppersdorfer Straße

Bäckerei Cravath, später Holzbecher

Hirschberger Str. 22 - Brot-Weiss u. Feinbäckerei Benno Cravath

In Oberleppersdorf betrieb der Bäckermeister Benno Cravath seine Brot-Weiss- und Feinbäckerei. Nach dem Einwohnerverzeichnis von 1895 bestand der Betrieb bereits zu diesem Zeitpunkt.

Hirschberger Str. 22 - Brot-Weiss- u. Feinbäckerei Benno Cravath

Nach seinem Tod führte der Bäckermeister Hugo Holzbecher diesen Betrieb weiter.

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Hirschberger Str. 22 - Brot-Weiss- u. Feinbäckerei Hugo Holzbecher

Diese 3 Fotos wurden von Rita Maatz, Aschersleben, zur Verfügung gestellt.

Kornstraße

Konditorei Kuhn, später von Lubowiecki

Kornstr. 8 - Konditorei Josef Kuhn, später Siegfried von Lubowiecki

Langhansstraße, vormals Böhmische Straße

Konditorei Gerlich, später Blaeschke

Langhansstrr. 20 - Konditorei Hugo Gerlich, später Rudolf Blaeschke (3. Haus von rechts)

Sehr bekannt war in Landeshut auch die Konditorei des Bäckermeisters Hugo Gerlich. Seine Spezialität waren die leckeren Honigkuchen und das Honigkuchenkonfekt.

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Nach seinem Tod führte der Bäckermeister Rudolf Blaeschke das Geschäft weiter.

Liebauer Straße

Bäckerei Teichmann, später Reichel

Liebauer Str. 44 - Rechts: Bäckerei Fritz Teichmann (aus der Sammlung von Ursula und Josef Chec)

Neubau Liebauer Str. 43/44

Nach dem Einwohnerverzeichnis von 1895 betrieb Fritz Teichmann bereits zu diesem Zeitpunkt eine Bäckerei. Um 1910 wurde dieses Haus abgerissen und durch ein mehrstöckiges Haus ersetzt. Nach Fritz Teichmanns  Tod übernahm der Bäckermeister Werner Reichel den Betrieb.

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Markt

Bäckerei Müller

Das Haus Markt Nr. 8 war Eigentum der Erben des Bäckermeisters Junghans. Nach dem Adressbuch von 1911 wohnte seine Witwe Pauline zu diesem Zeitpunkt noch in diesem Haus.

Markt Nr. 8 - Bäckerei Müller (aus der Sammlung von Ursula und Josef Chec)

Vor der Bäckerei Müller (Links: Kläre Müller mit ihrer kleinen Tochter Gertrud)

 

Im Erdgeschoss des Hauses befand sich die Bäckerei von dem Bäckermeister Julius Müller. Der älteste Sohn Karl Müller führte nach dem Ausscheiden seines Vaters den Betrieb gemeinsam mit seiner Ehefrau Kläre weiter.

 

 

 

 

 

Konditorei und Café Lindau

Markt Nr. 15 - Konditorei und Cafe Lindau

Die Familie Oskar und Hedwig Lindau mit den Söhnen Paul und Arthur lebte bis ca. 1909 in Hirschberg. In der Stricker- od. Weißgerberlaube Nr. 43 betrieb der Konditormeister Oskar Lindau eine Konditorei. Um 1909 zog die Familie nach Landeshut. Am Markt Nr. 15 eröffnete Oskar Lindau die über die Stadtgrenze hinaus bekannte Konditorei mit einem Café.

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Sohn Paul war ebenfalls Konditormeister und führte den Betrieb nach dem Ausscheiden des Vaters weiter. Sohn Arthur eröffnete im Jahr 1934 das Modehaus Lindau, Wilhelmstraße 5. Die Eheleute Paul Lindau und Frau, geb. Gaffke, hatten zwei Söhne, Heinz und Werner. Heinz führte die Familientradition fort und erlernte ebenfalls das Bäcker- und Konditorhandwerk. Im Jahr 1944 ist er in Stalingrad gefallen. Werner Lindau lebte später in Hamburg und starb 1958.

Links: Cafe Lindau (aus der Sammlung von Ursula und Josef Chec)

Perschkestraße

Bäckerei und Konditorei Wolf

Perschkestraße 5 - Bäckerei und Konditorei Wolf

Bäckermeister Max Wolf eröffnete 1910 eine Bäckerei und Konditorei in Landeshut, Perschkestr. 5. Vom 9. Januar 1929 bis zu seinem plötzlichen Tod 1932 war er Obermeister der Landeshuter Bäckerinnung. Sein Sohn Herbert übernahm nach seinem Tod den Betrieb und musste ihn 1942 aber auf Grund der Kriegswirren aufgeben.

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Die Familie Wolf kam 1946 nach Sachsen/Oberlausitz. Im Jahre 1967 lebte die Wolf`sche Bäckerhand-werkstradition wieder auf. Herbert Wolfs Sohn Hubertus eröffnete in Bischofswerda eine eigene Bäckerei. Dessen Sohn betreibt seit 1997 in Weidenberg/Oberfranken eine Bäckerei und Konditorei mit angeschlossenem Café.

Schmiedeberger Straße

Bäckerei Wieland

Paul Wieland (11.08.1879 - 18.10.1961)

Der Bäckermeister Paul Wieland wurde am 11. August 1879 in Friedland geboren. Am 1. Juli 1906 übernahm er auf der Oberstraße neben dem Kaisersaal eine Pachtbäckerei. Sein Bruder Ernst Wieland war in diesem Betrieb bereits als Geselle tätig. Zusammen mit ihm und seiner Schwester führte er zunächst den Betrieb allein, bis er sich ein Jahr später verheiratete.

Am 1. April 1913 erwarb er das Haus Schmiedeberger Straße 7. Die in diesem Haus befindliche Bäckerei stand bereits ein halbes Jahr leer. Der Krieg, an dem Paul Wieland von 1915 bis 1918 teilnahm, und die spätere Inflation verhinderten vorläufig einen Ausbau des Betriebes. Erst ab 1924 konnte er an eine Verbesserung und Modernisierung des Geschäftes denken. Fleiß und Tüchtigkeit zahlten sich aber bald aus. Als er sich im Jahre 1925 das erste Auto kaufte, um damit die Landeshuter Heilstätten zu beliefern – was früher mit Hundegespann und Pferdefuhrwerk ausgeführt wurde – erregte dieses in Landeshut einiges Aufsehen. Im Verlaufe der weiteren Jahre konnte Paul Wieland seine Bäckerei stetig weiter ausbauen, modernisieren und vergrößern. Nach der Vertreibung kam er mit seiner Familie in die Nähe von Braunschweig.

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Schmiedeberger Straße 7 - Bäckerei Paul Wieland

Bäckerei und Konditorei Kammel, später Hansch

Schmiedeberger Str. 16 - Links: Bäckerei und Konditorei August Kammel, später Max Hansch

Waldenburger Straße 

Bäckerei und Konditorei Rabe

Bäckerei Rabe in Mittelkonradswaldau

Bäckermeister Adolf Rabe gründete 1897 in Mittelkonradswaldau eine Bäckerei.

Bäckerei und Konditorei Rabe in Landeshut

Im Jahre 1929 erwarb er in Landeshut, Waldenburger Str. 4, eine Bäckerei mit Konditorei und Café. Sein Sohn Kurt, der 1932 seine Meisterprüfung ablegte und zu den jüngsten Landeshuter Bäckermeistern gehörte, übernahm den väterlichen Betrieb im Jahre 1934.

Adolf Rabe verstarb im Jahre 1945. Kurt Rabe kam 1946 mit seiner Familie nach Hannover. Seit 1948 arbeitete er in einer Großbäckerei bis zum Eintritt in den Ruhestand.

 

 

Waldenburger Str. 4 - Rechts: Bäckerei und Konditorei Rabe

Wilhelmstraße

Bäckerei und Konditorei Radetzki

Richard Radetzki (10.11.1903 - 17.04.1993)

Richard Radetzki wurde am 10. November 1903 als ältester Sohn des Bäckermeisters Gustav Radetzki in Görtelsdorf geboren. Nach dem Schulbesuch in Görtelsdorf und Fellhammer erlernte er das Bäckerhandwerk. Die Lehrzeit und Gesellenjahre absolvierte er u. a. in Schönau und Kauffung an der Katzbach. Hier arbeitete er in der Bäckerei und Konditorei seines Großonkels Karl Hradetzki. Mitte der zwanziger Jahre lernte Richard Radetzki in Jannowitz seine spätere Ehefrau Martha Wecker kennen, Tochter des dortigen Bäckermeisters Emil Wecker. Zu erwähnen sei hier noch, dass Emil Wecker diese Bäckerei im Jahre 1928 aus gesundheitlichen Gründen verkaufen musste. Neuer Eigentümer wurde Carl Krusche (s. Liebau, Trautenauer Str. 44).

Bäckerei Emil Wecker in Jannowitz (Elternhaus von Martha Radetzki, geb. Wecker)

Richard Radetzki und Martha Wecker heirateten am 23. März 1930 in Hirschberg. Zwei Jahre zuvor, am 25. April 1928, hatte Richard Radetzki die Meisterprüfung in Hirschberg erfolgreich abgelegt.

Am 1. Januar 1930 pachtete er die Bradler-Bäckerei in Landeshut, Bahnhofstr. 29. Der Obermeister Heinrich Bradler war am 04. Oktober 1928 verstorben. Im Jahre 1936 musste Richard Radetzki diese Bäckerei aufgeben und er übernahm in Berthelsdorf einen Bäckereibetrieb. Nach drei arbeitsreichen Jahren musste der Betrieb an die Tochter des Verpächters übergeben werden.

Bäckermeister Richard Radetzki in der Backstube

Nun bot ihm die Witwe des verstorbenen Bäckermeisters Oswald Dittmann die leer stehende Bäckerei auf der Wilhelmstr. 6 zur Pacht an.  Nach einer Probezeit konnte am 9. März 1939 die Bäckerei und Konditorei Radetzki neu eröffnet werden. In den nächsten Jahren steigerte sich der Umsatz erheblich, vor allem, weil größere Betriebe und auch das Krankenhaus beliefert wurden. Ab 1942 wurde in zwei bzw. drei Schichten gearbeitet. Zwischenzeitlich hatte der älteste Sohn Heinz seine Gesellenprüfung erfolgreich abgelegt und konnte mit anderen Mitarbeitern seinen Vater unterstützen.

Nach der Vertreibung fand die Familie Radetzki in Woltwiesche (Kreis Wolfenbüttel) eine neue Heimat. Vater und Sohn erhielten im Jahre 1947 in Braunschweig eine Anstellung und Richard Radetzki später eine Meisterstelle. Sein sehnlichster Wunsch war jedoch die Wiedereröffnung einer eigenen Bäckerei. Dieser Wunsch sollte sich schon bald realisieren. In Erbpacht erwarb er 1948 eine alte Scheune, die er zu einer Bäckerei umbauen ließ.

Die Scheune vor dem Umbau

Am 19.Juni 1949 fand die Eröffnung der neuen Bäckerei und Konditorei Radetzki statt.

Bäckerei und Konditorei Radetzki

Der älteste Sohn Heinz bestand im Februar 1951 die Meisterprüfung und eröffnete am 1. Dezember 1955 in Hannover eine eigene Bäckerei und Konditorei.

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