1990 – 1999

 

27. Landeshuter Kreisheimattreffen vom 31. August bis 2. September 1990

1990 - Festplakette zum 27. Landeshuter Kreisheimattreffen.

Rund 1300 Teilnehmer trafen sich unter dem Leitwort „Schlesien ist auch Europa“ am 1./2. September zum 27. Kreisheimattreffen der Landeshuter in ihrer Patenstadt Wolfenbüttel. Bereits am 31. August trafen sich 70 ehemalige Schülerinnen und Schüler der ehemaligen Oberschulen von Landeshut und Liebau im Hotel „Kronprinz“, bei der ihnen Kreiskulturwart Stud.Rat. i.R. Nikolaus Scholz, Wolfenbüttel, einen Diavortrag über „Hermann Stehr – Kindheit, Jugend und sein Vermächtnis in Habelschwerdt“ darbot. Danach saßen die Ehemaligen noch lange beisammen und tauschten Erinnerungen aus.

Am Sonnabendnachmittag  gab es in der Lindenhalle Gelegenheit zu ersten Begegnungen der insgesamt rund 1300 am Treffen beteiligten Teilnehmer. Die Mitglieder der heimatlichen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul sowie der Filialgemeinden trafen sich im Studio der Lindenhalle. Die Geschwister Rauer, Hannover, informierten in einem Lichtbildervortrag über eine neuntägige Reise ihrer Pfarrgemeinde St. Elisabeth zu Kirchen und Wallfahrtsorten in Schlesien.

Zur offiziellen Eröffnung des Heimattreffens begrüßte der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut Karl Vogt in der mit Fahnen geschmückten Lindenhalle neben den Landeshutern von nah und fern auch Repräsentanten von Stadt und Landkreis Wolfenbüttel, politischen Parteien und des BdV-Kreisverbandes. Mit Genugtuung stellte er fest, dass sich die Landeshuter mit ihrer Patenstadt Wolfenbüttel seit 1950 eng verbunden fühlen, wofür er seinen Dank aussprach.

Grußworte von Rat und Verwaltung der Stadt Wolfenbüttel überbrachte die stellvertretende Bürgermeisterin Ruth von Löbbecke. Die Vertriebenen, so sagte sie, hätten in ihrer Patenstadt eine neue Stätte der Heimat gefunden. Die Zeichen der Verbundenheit seien u.a. an der Wetterfahne auf dem Rathaus und in der Einrichtung der Heimatstube zu erkennen.

Der Bundestagsabgeordnete Wilhelm Schmidt wünschte den Landeshutern für ihr Treffen einen guten Verlauf und dass sich die Hoffnung erfüllen möge, dass es in einem freien geeinten Europa ein Schlesien ohne Grenzen geben möge. Als Vorsitzender der Schlesischen Landsmannschaft in Niedersachsen überbrachte Helmut Sauer MdB auch die Grüße des BdV-Bundesvorstandes. Erfreut über die Heimatverbundenheit der Landeshuter, die keine Entfernungen scheuten, deutete er ihre Treue als eine innere Einstellung zum Glauben. In seiner Forderung nach Selbstbestimmung auch für Schlesien sagte er, man könne das Recht auf Freiheit nicht unterdrücken. Für Polen und Deutsche müssten im vereinten Europa gleiche Rechte gelten.

Grüße und Wünsche vom Landkreis und seiner Verwaltung überbrachte schließlich Landrat Ernst-Henning Jahn. In seinen Ausführungen ging er auf das „Wunder der Grenzöffnung“ ein. Der weitere Weg weise nach vorn, und es sei erforderlich, dass wir nach der Wiedervereinigung noch näher zusammenrückten, um alle anstehenden Probleme gemeinsam zu bewältigen.

Der nun folgende Festabend mit Musik und Tanz wurde bestritten von den der Sing- und Trachtengemeinschaft „Rübezahl“ aus Nienburg unter der Leitung von Christian Wagner mit Volks- und Heimatliedern sowie lustigen Vorträgen des Trachtenschulzen Bruno Bürgel. Das Trio Ludwig, Wolfenbüttel, spielte anschließend zum Tanz auf.

1990 - Sing- und Trachtengemeinschaft "Rübezahl" aus Nienburg.

Festgottesdienste beider Konfessionen leiteten den Sonntag ein. In der katholischen Pfarrkirche St. Petrus feierte Pater Paradino aus Rom das Hochamt und Dechant Fidelis Oppermann hielt die Predigt. In der evangelischen St.-Trinitatis-Kirche erfreute die Besucher die vertraute schlesische Liturgie im Gottesdienst. Die Predigt hielt der Leiter der evangelischen Tagungsstätte „Hessenkopf“ in Goslar, Pastor Johannes Lissel, früher Breslau. Assistiert wurde ihm von Pfarrer Ryszard Bogusz, der der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen angehört und seit 15 Jahren an der Breslauer Hofkirche amtiert.

Bei der Heimatkundgebung auf dem Landeshuter Platz begrüßte der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut Karl Vogt zunächst die Ehrengäste. Nach dem Verlesen eines Grußtelegramms des Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien Herbert Hupka gedachte der Landrat des Kreises Wolfenbüttel Ernst-Henning Jahn des langjährigen Vorsitzenden des Arbeitskreises Landeshut Edelhard Rock, der unmittelbar nach den Kriege die Landeshuter Heimatfreunde zu einer festen Gemeinschaft einte. Ferner betonte er, dass die bevorstehende Einheit des Landes als lang ersehntes Ziel auch die Treue der Vertriebenen zu ihrer Heimat belohne. Doch noch ständen uns schwere Aufgaben bevor, unsere Landsleute in der Noch-DDR beim Aufbau ihrer Existenz zu helfen Das gemeinsame Ziel würde dann einem freien und vereinten Europa gelten.

1990 - Kranzniederlegung durch die Vertreter von Stadt und Kreis Wolfenbüttel. Landrat Ernst-Henning Jahn, Bürgermeister Heinz Dieter Eßmann, Oberkreisdirektor Dr. Hartmut Koneffke und MdB Helmut Sauer (von links).

Nach den Grußworten des BdV-Kreisvorsitzenden Otto Kunath fand die Totenehrung statt. Unter dem feierlichen Geläut der Glocken des heimatlichen Klosters Grüssau fand der Kulturwart des BdV Stud.Rat. i.R. Nikolaus Scholz, Wolfenbüttel, ehrende Worte des Gedenkens, während die Repräsentanten von Stadt und Kreis Wolfenbüttel Kränze am Denkmal der Landeshuter niederlegten.

1990 - Kranzniederlegung am Denkmal der Landeshuter.

Die sich anschließende Festansprache hielt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien Rudi Pawelka. Das Thema lautete: „Das Selbstbestimmungsrecht, die Einheit Deutschlands und die Berücksichtigung der Anliegen der Ostdeutschen“. Musikalisch wurde die Veranstaltung von der Kapelle Zam Jürges umrahmt. Mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne endete die Feierstunde auf dem Landeshuter Platz.

Nachmittags fand dann ein heimatlicher Nachmittag in der Lindenhalle statt, die wieder viele Landeshuter aus Stadt und Kreis nutzten, um Freunde, ehemalige Nachbarn und Verwandte zu treffen und Erinnerungen auszutauschen. Karl Vogt, der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut, hieß alle anwesenden Gäste und auch die Repräsentanten aus Stadt und Kreis Wolfenbüttel sprachen Worte der Begrüßung.

1990 - Kultur- und Trachtengruppe "Kokeltaler" aus Wolfsburg.

Die Trachtengruppe „Kokeltaler“ aus Wolfsburg unter der Leitung von Rudolf Faff führte Volkstänze aus ihrer Heimat Siebenbürgen vor und erntete dafür großen Beifall. Für die musikalische Unterhaltung sorgte das Wolfenbütteler Trio Ludwig. Bis in den Abend hinein dauerte die Veranstaltung, ehe sich insbesondere die auswärtigen Gäste verabschiedeten.

28. Landeshuter Kreisheimattreffen vom 14. bis 16. August 1992

1992 - Festplakette zum 28. Landeshuter Heimattreffen.

Bei strahlendem Sommerwetter begann das Landeshuter Kreisheimattreffen, an dem im Laufe des Wochenendes knapp 1200 Landeshuter aus Stadt und Kreis teilnahmen, am Freitagnachmittag im Gesellschaftsraum der Lindenhalle mit dem Treffen der ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Schulen von Landeshut und Liebau. Hans Münzer, Lehrer i. R., begrüßte 70 Anwesende und bald war man in regen Gesprächen vertieft. Alte Erinnerungen aus der Schulzeit wurde erzählt, aber auch aktuelle Geschehnisse machten die Runde.

In der Zwischenzeit erwartete Karl Vogt, der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut, ungeduldig in Dorstadt einen polnischen Bus mit einer 20köpfigen Reisegruppe mit Deutschen, die in der alten Heimat Landeshut geblieben sind. Etwas verspätet trafen die Fahrgäste schließlich ein und nach einer herzlichen Begrüßung wurden erst einmal die Quartiere bezogen. Zum Abendessen versammelte man sich dann an einem festlich gedeckten Abendbrottisch. Margarete Gotowt, die Leiterin der Gruppe, bedankte sich im Namen aller für die Einladung und als dann auch Pfarrer Wolfgang Gottstein eingetroffen war, stärkte man sich erst einmal. Dann ging man zum gemütlichen Teil über, es wurde gesungen und gemütlich geplauscht bis nach Mitternacht.

Am Sonnabendvormittag stand für die Besuchergruppe aus Landeshut eine zweieinhalbstündige Stadtbesichtigung auf dem Programm. Ausgangspunkt war das Schloss. Die Stadtführerin erläuterte die Geschichte des Schlosses, das besucht wurde und auch einen Blick in die Landeshuter Heimatstube konnten die Besucher aus Landeshut werfen. Es folgte ein kurzer Besuch in der Herzog-August-Bibliothek und im Zeughaus. Die Besichtigung führte über Klein-Venedig zum Stadtmarkt und schloss ab mit einer ausführlichen Erklärung der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis. Das wohl verdiente Mittagessen wurde dann im „Bayrischen Hof“ eingenommen.

1992 - In der Lindenhalle.

Am Nachmittag sammelten sich die Heimatfreunde in der Lindenhalle und belegten die Plätze an den mit Ortschaftsschildern gekennzeichneten Tischen. Parallel dazu fand im Studio der Lindenhalle ein Treffen der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul einschließlich der Filialgemeinden statt. Dort hielt Pfarrer Wolfgang Gottstein einen Dia-Vortrag über die „Historische Heimkehr des 1945 verstorbenen Kardinals Adolf Bertram“. Die Überführung des Kardinals im November 1991 in den Dom zu Breslau wurde erst durch die deutsch-polnischen Verträge möglich. An dieser ehrwürdigen Beisetzungsfeier nahmen hohe deutsche und polnische Würdenträger teil und erwiesen dem Kardinal die letzte Ehre.

1992 - In der Lindenhalle.

1992 - Karl Vogt, der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut eröffnet das Heimattreffen.

Kurz nach 19.00 Uhr hatte sich der große Saal der Lindenhalle fast bis zum letzten Platz gefüllt und der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut Karl Vogt trat auf der Bühne ans Rednerpult und eröffnete das 28. Landeshuter Kreisheimattreffen ganz offiziell. Er begrüßte die aus allen Teilen des Landes angereisten Heimatfreunde herzlich und hieß die Ehrengäste willkommen. Unter ihnen waren der Landrat des Kreis Wolfenbüttel Ernst-Henning Jahn, der Kreisvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen Otto Kunath und der BdV-Kreisgeschäftsführer Karl Tann. Mit besonderer Freude aber begrüßte Vogt die 20 aus Landeshut angereisten Gäste der deutschen Minderheit. Dankesworte widmete Karl Vogt schließlich Stadt und Kreis Wolfenbüttel für die nunmehr 40jährige Patenschaft und für die vielfältigen Unterstützungen wie etwa die jahrelang durchgeführten Kinderferienfreizeiten, die Errichtung des Ehrenmals, die Einrichtung der Landeshuter Heimatstube und die finanziellen Zuwendungen für das Landrat-Dr.-Fiebrantz-Hilfswerk.

1992 - Karl Vogt begrüßt eine deutsche Besuchergruppe aus der Heimatstadt Landeshut. Margarete Gotowt (links) neben Karl Vogt.

1992 - Landrat Ernst-Henning Jahn begrüßt die Landeshuter.

Die Grüße und guten Wünsche des Landkreises Wolfenbüttel überbrachte der Landrat Ernst-Henning Jahn. Er wies in seiner Ansprache darauf hin, dass die Erinnerung das einzige Paradies sei, aus dem man nicht vertrieben werden könne. Erinnerung überstrahle erduldete Not und Elend, das viele Nichtbetroffene kaum annähernd nachempfinden könnten. Dass die Vertriebenen – Wolfenbüttel nahm damals 48.000 von ihnen in Stadt und Kreisgebiet auf – nicht resignierten, sondern am Aufbau eines neuen Staatswesens unermüdlich mitwirkten und dabei auch ihren Glauben an die Wiedervereinigung nicht verloren, habe seinerzeit zur Übernahme der Patenschaft von Stadt und Landkreis Wolfenbüttel für Landeshut geführt, betonte Landrat Jahn.

Anschließend erfreute die Sing- und Spielgruppe Thune des Glatzer Gebirgsvereins unter der Leitung von Walter Baron mit heimatlichen Weisen und Gedichten, die von den Zuhörern sehr beifällig aufgenommen wurden. Das Trio Ludwig, Wolfenbüttel, spielte dann zum Tanz auf, doch diente die Musik meist zur Untermalung der vielen Gespräche an den gut besetzten Tischen. Noch lange saß man an diesem Abend beisammen.

Der Sonntagmorgen war wie immer den Gottesdiensten vorbehalten. Der evangelische Heimatgottesdienst mit der altpreußischen Liturgie wurde gehalten von Pastor Dietrich Goldbach von der Landesarbeitsgemeinschaft ev. Schlesier, Hannover-Braunschweig, in der St.-Trinitatis-Kirche. Unter den Besuchern waren ehemalige Konfirmanden der Geburtsjahrgänge 1927/28, die ihre Goldene Konfirmation feierten. In seiner Predigt erinnerte Pastor Goldbach an die damalige Konfirmation und die Prüfungen, die dazu abgelegt werden mussten. Er unterstrich, dass die Konfirmanden früher mit viel Mühe den Kleinen Katechismus auswendig zu lernen hatten und dass viel Wert auf die Beherrschung der Zehn Gebote gelegt wurde, was heutzutage zunehmend vernachlässigt würde. Den katholischen Festgottesdienst in der St.-Petrus-Kirche zelebrierten Pfarrer Wolfgang Gottstein und Dechant Fidelius Oppermann, Wolfenbüttel.

Nach den Gottesdiensten füllte sich mehr und mehr der Landeshuter Platz zur Heimatkundgebung. Die Bundesflagge, sowie die Fahnen der Patenstadt und des Patenkreises Wolfenbüttel und von Landeshut waren gehisst und am Mahnmal brannten die Feuer zum Gedenken an die Toten. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut Karl Vogt begrüßte einige hundert Gäste bei der Kundgebung, insbesondere Bürgermeister Heinz Dieter Eßmann und den stellvertretenden Stadtdirektor Dr. Gerhard Bauer, Landrat Ernst-Henning Jahn, die Bundestagsabgeordneten Helmut Sauer (CDU) und Wilhelm Schmidt (SPD) sowie den BdV-Kreisvorsitzenden Otto Kunath.

1992 - Teilnehmer an der Kundgebung am Landeshuter Platz. Pfarrer Wolfgang Gottstein in der Mitte.

1992 - Kranzniederlegung am Landeshuter Ehrenmal. Karl Vogt in Begleitung des Ehepaares Bettermann, dahinter Bürgermeister Eßmann, Landrat Jahn und weitere Ehrengäste.

Die Gedenkworte zur Totenehrung sprach dann BdV-Kreisgeschäftsführer Karl Tann und unter dem Glockengeläut von Kloster Grüssau und dem Lied vom guten Kameraden schritten die Vertreter von Stadt und Kreis Wolfenbüttel, die anwesenden Ehrengäste und der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut in Begleitung des Ehepaares Herbert und Ingrid Bettermann in schlesischer Tracht zum Mahnmal, um die Kränze und Gebinde niederzulegen.

In Anschluss verlas Karl Vogt ein Grußwort des Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien Dr. Herbert Hupka.

Es folgten die Grußworte von Bürgermeister Heinz Dieter Eßmann. Er ging anlässlich der 40 Jahre bestehenden Patenschaft zwischen Stadt und Kreis Wolfenbüttel für Landeshut auf deren Bedeutung ein.

Als Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien in Niedersachsen dankte Helmut Sauer allen, die nach dem Zweiten Weltkrieg Landeshuter aufgenommen haben. Sauer brachte auch ein wertvolles Geschenk mit und zwar zwei Millionen Mark für die Renovierung der Klosterkirche in Grüssau, was mit starkem Beifall aufgenommen wurde.

Nach einigen weiteren Grußworten wurde aus Anlass des Patenschaftsjubiläums in unmittelbarer Nähe des Mahnmals eine junge Eiche gepflanzt. Landrat Jahn, Bürgermeister Eßmann, die Bundestagsabgeordneten Sauer und Schmidt und Karl Vogt nahmen unter Anleitung eines Fachmannes des Stadtgartenamtes die Zeremonie vor und wünschten, dass die Eiche wachse, blühe und gedeihe.

1992 - Anlässlich der 40jährigen Patenschaft wurde eine Eiche gepflanzt. Landrat Jahn, Karl Vogt, Herbert Bettermann, Bürgermeister Eßmann (von links).

„Für Recht und geschichtliche Wahrheit“ lautete das Thema der Festansprache, die gehalten wurde von Peter Großpietsch, dem Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstandes der Landsmannschaft Schlesien und Herausgeber des „Grafschafter Boten“. Er kritisierte die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze und fragte, ob es jemals wieder Abgeordnete gäbe, die auf ein Viertel des eigenen Territoriums verzichteten.

Zum Schluss der Kundgebung dankte Karl Vogt allen in Stadt und Kreis Wolfenbüttel, die zum Gelingen des Heimattreffens beigetragen hatten und sprach die Hoffnung aus, dass man sich in zwei Jahren hier wieder treffen könne. Mit der deutschen Nationalhymne endete die Heimatkundgebung, die musikalisch von der Kapelle Zam Jürges aus Wolfenbüttel umrahmt wurde.

Die 20 Gäste aus Landeshut wurden dann unter Anwesenheit von Landrat Ernst-Henning Jahn und Kreisdirektor Manfred Koch in das Hotel „Kronprinz“ zum Mittagessen eingeladen. Währenddessen hatte sich die Lindenhalle wieder gefüllt und die vielen Gespräche vom Vortag wurden fortgesetzt. Als Schlusspunkt des Heimattreffens fand dann ein schlesischer Heimatnachmittag statt, der gestaltet wurde von der Trachten- und Volkstanzgruppe Bielitz-Biala aus Braunschweig unter der Leitung von Otty Treder. Die farbenprächtigen Volkstänze ihrer Heimat fanden großen Beifall. Weiterhin unterhielt das Heimattrio Ludwig die Zuhörer mit gängiger Volksmusik. Im Verlauf des Spätnachmittags verließen nach und nach die Besucher aus der Ferne den Ort der Begegnung, um die Rückreise anzutreten. Viele versprachen sich gegenseitig ein Wiedersehen in zwei Jahren zum 29. Kreisheimattreffen.

1992 - Trachten- und Volkstanzgruppe der Heimatgruppe Bielitz-Biala e.V., Zweiggruppe Braunschweig.

Am Montagmorgen machten sich dann 183 Heimatfreunde in vier Bussen der Firma Busche vom Kornmarkt aus auf, um die schlesische Heimat zu besuchen. Ihr Ziel waren Hirschberg, Krumhübel und  Bad Warmbrunn, wo sie Unterkunft fanden. Auf dem Programm stand natürlich in erster Linie die Landeshuter Heimat.  

29. Landeshuter Kreisheimattreffen am 18. und 19. Juni 1994

 Bereits am Freitagnachmittag waren fleißige Helfer in der Lindenhalle am Werke, um die letzten Vorbereitungen für die kommenden zwei Tage zu treffen. Nach einem gemeinsam erarbeiteten Plan für die Aufstellung der Ortsschilder von Heinrich Hoffmann, Hans Hanisch und Hans Maidorn wurde nun die Theorie in die Praxis umgesetzt. Festlich geschmückt bot sich der große Saal der Lindenhalle den Beschauern. Das Heimattreffen konnte beginnen. Knapp tausend ehemalige Landeshuter kamen dann an beiden Tagen in die Patenstadt Wolfenbüttel.

1994 - Festplakette zum 29. Landeshuter Heimattreffen.

Bereits in den frühen Morgenstunden des Sonnabends fand im Clubraum der Lindenhalle ein Klassentreffen mit Wolfgang Beier statt und im Gesellschaftsraum versammelten sich ca. 70 ehemalige Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen von Landeshut und Liebau, um alte Erinnerungen aus der Schulzeit und den folgenden Jahrzehnten auszutauschen.

Im Laufe des Nachmittags trafen nach und nach die Besucher aus nah und fern in der Lindenhalle ein. Sie wollten die Zeit bis zum Beginn des Festabends nutzen, um Freunde und Nachbarn von früher zu treffen und sich auszutauschen.

Um 15.30 Uhr begaben sich die Gemeindeglieder der Kirchengemeinde St. Peter und Paul und den Filialgemeinden in den Gesellschaftsraum der Lindenhalle, um mit Prälat Prof. Dr. Peter Rummel, Dillingen, und Konsistorialrat Pfarrer i. R. Wolfgang Gottstein, Freudenstadt-Kniebis im Schwarzwald, dem 700jährigen Jubiläum ihrer Pfarrkirche zu gedenken und sich auch dem persönlichen Gespräch zu widmen.

1994 - Freunde der schlesischen Mundart aus Hamburg und schlesische Trachten.

Um 19.30 Uhr war es dann so weit. Unter dem Gesang „Kehr ich einst zur Heimat wieder“, begleitet vom Musikensemble Zam Jürges, erfolgte der Einzug der Trachtenträger und der Mitglieder des Arbeitskreises „Freunde schlesischer Mundart“ aus Hamburg mit der Schlesierfahne. In seiner Begrüßung erinnerte der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut Karl Vogt auch daran, dass vor zehn Jahren Edelhard Rock, der Vater der Landeshuter, zum letzten Mal an dieser Stelle stand, um das damalige Heimattreffen zu eröffnen. Manches hat sich seitdem geändert. So sprach Vogt sein Bedauern darüber aus, dass seitens der Stadt Wolfenbüttel die Zuwendungen im Rahmen der Patenschaft um 60 % gekürzt wurden, ohne dass eine offizielle Mitteilung darüber an den Arbeitskreis Landeshut ergangen sei. So sei man dankbar, dass das „Wolfenbütteler Schaufenster“ sich bereitgefunden hatte, die Ausrichtung dieses Heimattreffens mit DM 1500,00 zu unterstützen.

1994 - Der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut Karl Vogt und der Trachtenschulze.

Unter der Motto „Lachendes Schlesien – Singendes Landeshut“ stand das sich anschließende Programm. Es wurden schlesische Gedichte vorgetragen und schlesische Heimatlieder gesungen, was bei dem anwesenden Publikum gut ankam. Etwas länger als geplant verlief die Veranstaltung, aber man wollte weder den Vortragenden noch den Zuhörern die Freude nehmen. Danach spielte das Trio Zam Jürges, Wolfenbüttel, zu Tanz und Unterhaltung auf.

Wie schon am Vortag so zeigte sich auch am Sonntag das Wetter von seiner besten Seite. Die Glocken der Kirchen riefen zu den Heimatgottesdiensten, die ausgesprochen gut besucht waren. In der katholischen St.-Petrus-Kirche zelebrierten Prälat Prof. Dr. Peter Rummel, Dillingen, Konsistorialrat Pfarrer i. R. Wolfgang Gottstein, Kniebis, und Dechant Christoph Paschek, Wolfenbüttel, das feierliche Hochamt. Im Mittelpunkt der Festpredigt stand natürlich die 700-Jahr-Feier der Landeshuter Pfarrkirche St. Peter und Paul mit seiner geschichtlichen Vergangenheit. In der St.-Trinitatis-Kirche hielten den Festgottesdienst Pastor Kurt Klug, Wolfenbüttel, und Pastor Christoph Kretschmar, Kiel, der der 40 Jahre in Landeshut ansässigen Pastorenfamilie Kretschmar entstammt. Der Gottesdienst wurde wieder mit der Liturgie der altpreußischen Union gefeiert. Pastor Kretschmar ging in seiner Predigt auf viele Begebenheiten aus dem früheren Landeshut ein, die ihm sein Vater übermittelt hatte.

1994 - Zu Beginn der Feierstunde am Landeshuter Platz.

Die zentrale Veranstaltung des Heimattreffens bildete dann anschließend wie immer die Heimatkundgebung am Landeshuter Platz, zu der sich die Landeshuter Heimatfreunde und viele Gäste zahlreich eingefunden hatten. Karl Vogt, der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut, begrüßte als Repräsentanten von Stadt und Kreis Wolfenbüttel den Stadtdirektor Werner Hühne, die stellvertretende Bürgermeisterin Ruth von Löbbecke, den stellvertretenden Landrat Pastor Rudolf Quidde, Oberkreisdirektor Dr. Hartmut Koneffke und den Bundestagsabgeordneten Wilhelm Schmidt (SPD), ferner den BdV-Kreisvorsitzenden Otto Kunath und den BdV-Kreisgeschäftsführer Karl Tann. Zunächst verlas Vogt ein Grußwort des Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien Dr. Herbert Hupka und zeigte dann auf, dass der Begriff der Heimat sich sehr gewandelt habe. Für die meisten Menschen sei aber die Heimat dort, wo sie aufgewachsen und wo sie ihre Kindheit und Jugend verbracht haben. Er führte aus, dass jeder, der seine Heimat liebt, auch immer wieder einmal dorthin zurückkehrt. So freue er sich besonders, dass am 20. Juni 250 Heimatfreunde für eine Woche nach Schlesien fahren, um an den Feierlichkeiten zum 700jährigen Jubiläum der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Landeshut teilzunehmen.

Nach dem Singen von zwei Strophen des von Hans Hanisch und Karl Vogt verfassten Landeshuter Heimatliedes überbrachte der stellvertretende Landrat Rudolf Quidde die Grüße des Landkreises Wolfenbüttel und ermunterte die Landeshuter dazu, weiterhin ihrer Heimat treu zu bleiben und in einem Europa der offenen Grenzen immer wieder ihre angestammte Heimat zu besuchen. Nach den Grußworten der stellvertretenden Bürgermeisterin Ruth von Löbbecke sprach der BdV-Kreisvorsitzende Otto Kunath, ein Danziger, zu den Anwesenden. Er sagte, dass es gelte, ein Bekenntnis zur angestammten Heimat abzulegen und sie nicht zu vergessen.

Während dann die Glocken von Grüssau und das Lied vom guten Kameraden erklangen, sprach Karl Tann die Gedenkworte. Unter der Begleitung der Trachtengruppe erfolgte die Kranzniederlegung am Landeshuter Ehrenmal durch die anwesenden Repräsentanten von Stadt und Kreis Wolfenbüttel und den Vorsitzenden des Arbeitskreises Landeshut Karl Vogt.

1994 - Auf dem Weg zur Kranzniederlegung am Landeshuter Ehrenmal.

1994 - Während des Festvortrages vom Wilhelm Schmidt MdB.

Nach dem Freiheitschor aus der Oper Nabucco von Verdi, vorgetragen vom gemischten Chor Wolfenbüttel-Linden unter der Leitung von Kantor Heuer, ergriff der Bundestagsabgeordnete Wilhelm Schmidt das Wort. Er betonte, dass Patenschaft eine besondere Form der Partnerschaft sei. Es sei die „Inobhutnahme“ von Menschen, ihrer Interessen und Anliegen, sowie die Bewahrung und Förderung ihrer Kultur. Nicht unwesentlich habe die Patenschaft zwischen Wolfenbüttel und Landeshut dazu beigetragen, den Menschen die Folgen der Vertreibung zu lindern. Nach dieser Ansprache sang noch einmal der gemischte Chor aus Linden. Mit dem Dank an alle, die an der Mitgestaltung der Feierstunde beteiligt waren und dem Singen der Nationalhymne, schloss die feierliche Veranstaltung.

1994 - Mit dem Singen der Nationalhymne endet die Feierstunde.

1994 - Die Volkstanzgruppe "Innerstetal" Hildesheim.

In der Lindenhalle hatte die in Landeshut geborenen Malerin Roswitha Iven-Böer im Foyer ihre Bilder ausgestellt, die ein reges Interesse bei den Besuchern fanden. Am frühen Nachmittag füllte sich dann die Lindenhalle wieder zum schlesischen Heimatnachmittag. Die Volkstanzgruppe „Innerstetal“ Hildesheim zog die Heimatfreunde in ihren Bann. In zwei Blöcken zeigte die Gruppe unterschiedliche Volkstänze, die ausführlich erläutert wurden. Zwischendurch spielte das Trio Zam Jürges, Wolfenbüttel, zur Unterhaltung. Gegen Abend lichteten sich dann allmählich die Reihen, denn viele der Heimatfreunde traten ihre Rückreise an und andere mussten ihre bevorstehende Fahrt nach Landeshut vorbereiten. So nahm man Abschied in der Hoffnung, sich in zwei Jahren an gleicher Stelle wiederzusehen.

30. Landeshuter Kreisheimattreffen am 17. und 18. August 1996

Zum diesjährigen Landeshuter Kreisheimattreffen versammelten sich rund 900 Landeshuter aus Stadt und Kreis Landeshut in ihrer Patenstadt Wolfenbüttel. Noch am Tag zuvor liefen die Vorbereitungen für das 30. Landeshuter Kreisheimattreffen in Wolfenbüttel auf Hochtouren. Nach einiger Zeit des Wartens kam dann die erlösende Nachricht, dass der Bus mit den Gästen aus Landeshut rechtzeitig eintreffen würde. Im katholischen Heim in Dorstadt wurde die Gruppe mit den beiden Kindergruppen und ihren Begleiterinnen sowie vier Vorstandsmitgliedern des „DFK Rübezahl“ schon sehnsüchtig erwartet. Hedwig Powik mit ihren Helferinnen war damit beschäftigt, alles für den Empfang und die Unterbringung der Gäste vorzubereiten. Pfarrer i. R. Wolfgang Gottstein und der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut Karl Vogt begrüßten beim gemeinsamen Abendbrot die Gäste aus der schlesischen Heimatstadt. Die Leiterin der Kindertrachtengruppe Stefi Lohsa und die Leiterinnen des Geigenorchesters Magistra Kazimierra Ciozmak und Magistra Barbara Mrozek-Lubieniecka bedankten sich für die Einladung.

Am Sonnabend trafen sich bereits in den Vormittagsstunden etwa 70 ehemalige Schülerinnen und Schüler der weiterbildenden Schulen von Landeshut und Liebau in der Lindenhalle, um wieder Erinnerungen an die Schulzeit und Ereignisse der letzten Jahre auszutauschen.

Um 13.00 Uhr fanden sich die Kindergruppen mit ihren Begleiterinnen, den Vorstandsmitgliedern vom „DFK Rübezahl“, sowie Pfarrer Wolfgang Gottstein, Karl Vogt und Brigitta Riedel im Ratssaal der Stadt Wolfenbüttel ein, wo sie von Bürgermeister Heinz Dieter Eßmann empfangen wurden. Die Tanzgruppe, wie auch die Violinengruppe gaben Proben ihres Könnens und fanden reichlich Beifall. „Ihr seid die Zukunft Eures Landes. Ihr bekennt Euch zu Eurer Heimat. Das zeigt Ihr mit Eurer Tracht. Die Wolfenbütteler haben sich sehr auf Euch gefreut, denn Ihr verbreitet Freude durch Euren Tanz und Eure Musik“, waren die Worte des Bürgermeisters zur Begrüßung. Karl Vogt, der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut, gab der Hoffnung Ausdruck, dass dieser Besuch eine erste Grundlage zu einer stärkeren Verbindung zwischen Wolfenbüttel und Landeshut sein könnte.

Am Nachmittag nahmen bereits anwesende Besucher des Treffens die Gelegenheit wahr, sich einer Führung durch die Herzog-August-Bibliothek anzuschließen, andere besuchten die Landeshuter Heimatstube im Schlossmuseum. Währenddessen trafen immer mehr Heimatfreunde in der Lindenhalle ein.

Um 15.00 Uhr versammelten sich die Gemeindeglieder der früheren Peter- und Paulskirche im Studio-Raum der Lindenhalle zu einer Gesprächsrunde unter dem Thema „Was zieht uns immer wieder heute nach Stadt und Kreis Landeshut?“. Gesprächspartner waren Kons. Rat u. Pfarrer i.R. Wolfgang Gottstein, Freudenstadt-Kniebis, und Brigitta Riedel, Hildesheim.

1996 - Die Kinderviolinengruppe des Landeshuter Lyzeums.

„Musik kennt keine Grenzen“. Unter diesem Motto stand der festliche Eröffnungsabend zum 30. Landeshuter Kreisheimattreffen im großen Saal der Lindenhalle. Die Festhalle war fast gefüllt, als nach dem Einzug der Kindertrachtengruppe und Mitstreitern des Arbeitskreises Landeshut der Vorsitzende Karl Vogt das Wort ergriff. Als Ehrengäste begrüßte er die stellvertretende Bürgermeisterin Ruth von Löbbecke, den Bundestagsabgeordneten Wilhelm Schmidt (SPD) und den BdV-Kreisvorsitzenden Otto Kunath. Vogt erinnerte daran, dass nun mehr als 50 Jahre vergangen sind nach Flucht und Vertreibung aus Schlesien. Inzwischen seien viele Wunden vernarbt, die mit dem Zweiten Weltkrieg ihren Anfang nahmen. Es bedarf aber noch mancher Anstrengungen, bis die letzten Narben verheilt sind. Beim 700jährigen Kirchenjubiläum vor zwei Jahren sei bereits ein solcher Schritt getan worden. Das Kennenlernen der Violinengruppe des Lyzeums in Landeshut/Kamienna Góra führte zur Einladung zu unserem diesjährigen Treffen. In ihren Grußworten sprachen sich Ruth von Löbbecke wie auch Wilhelm Schmidt dafür aus, die Bemühungen zu einer engeren Verbindung zwischen Wolfenbüttel und Landeshut auf dem Wege zu einem vereinten Europa zu verstärken. Sie überreichten jeweils eine Geldspende zugunsten der Gastkinder.

1996 - Kindertrachtengruppe vom DFK Rübezahl Landeshut.

In bunter Folge verlief das Unterhaltungsprogramm, das von dem Kindergeigenorchester und der Kindertrachtengruppe bestritten wurde und viel Beifall auslöste. Umrahmt wurde dieses Programm durch gemeinsames Singen der bekannten Heimatlieder. Inzwischen war auch die Vorsitzende des Deutschen Freundeskreises „Rübezahl“ Waltraud Wyszyńska eingetroffen und wurde vom Vorsitzenden des Arbeitskreises Landeshut Karl Vogt herzlich begrüßt. Sie dankte für die Einladung und übermittelte die Grüße des Deutschen Klubs in Landeshut. Für die weitere Unterhaltung sorgte das Trio „Zam Jürges“. Eine besondere Überraschung bot dann die Vorführung eines Geschwisterpaares aus der Kindertanzgruppe. Schließlich traf noch unerwartet der Landrat des Kreises Wolfenbüttel Ernst Henning Jahn ein, der seine Grußworte an die Landeshuter richtete, die ihm gebührend applaudierten.

Bereits um 9.00 Uhr begann am Sonntag der katholische Heimatgottesdienst in der St.-Petrus-Kirche, der mit Pfarrer i.R. Wolfgang Gottstein gefeiert wurde. Umrahmt von den bekannten schlesischen Kirchen- und Marienliedern und den zu Herzen gehenden Worten des Priesters wurde der Gottesdienst wieder zu einem besonderen Erlebnis. Einen Teil dieses Hochamtes bestritten die Kinderviolinengruppe und die Kindertrachtengruppe.

1996 - Kindertrachtengruppe in der St. Trinitatis-Kirche.

Inzwischen hatten sich auch die evangelischen Landeshuter zu ihrem Festgottesdienst in der St.-Trinitatis-Kirche versammelt, um mit dem Landeshuter Pastor i.R. Reinhard Leder und dem Hausherrn Pastor Claudius Müller den Festgottesdienst zu feiern. Verbunden war er mit dem Gedenken an die letzten Konfirmationen 1945/46 in den heimatlichen Kirchen. In seiner Predigt erläuterte Pastor Leder den Sinn von „Segnen“ und „Gesegnet werden“ nach dem Bibelwort aus dem 4. Buch Mose, Kap. 6, 22-27. Er erinnerte an die Konfirmationen vor 50 Jahren, die unter schwierigen Umständen gefeiert wurden. Noch vor dem Beginn der Abendmahlsfeier trafen dann die Kindergruppen aus Landeshut ein, um auch hier den Gottesdienst mitzugestalten.

1996 - Pfarrer i.R. Wolfgang Gottstein, Pastor Claudius Müller, Pastor i.R. Reinhard Leder (von links).

Zur traditionellen Feierstunde auf dem Landeshuter Platz hatten sich dann mehr als 300 Heimatfreunde eingefunden. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut begrüßte die Repräsentanten von Stadt und Kreis Wolfenbüttel: Bürgermeister Heinz Dieter Eßmann MdB, Oberkreisdirektor Dr. Hartmut Koneffke, Kreisdirektor Manfred Koch, stellvertretender Landrat Rudolf Quitte, sowie BdV-Kreisvorsitzender Otto Kunath und BdV-Geschäftsführer Karl Tann. Als Hauptreferentin begrüßte Vogt Dr. Idis Hartmann von Bundesvorstand der Landsmannschaft Schlesien. Die Vertreter von Stadt und Kreis Wolfenbüttel überbrachten die herzlichen Grüße ihrer Behörden und unter dem Geläut der Glocken von Grüssau und dem Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden…“ wurden die Kränze am Ehrenmal niedergelegt und man gedachte der Toten.

1996 - Feierstunde am Landeshuter Platz.

1996 - Dr. Idis Hartmann beim Festreferat.

In dem sich anschließenden Vortrag von Dr. Idis Hartmann erinnerte sie an die tragischen Tage und Wochen nach dem Einmarsch der Russen im Kreis Landeshut. Sie führte weiter aus, dass es heutzutage gelte, Schlesien wieder in den Blick zu bekommen. Es könne nicht angehen, dass wir uns unsere eigene Geschichte nun nach 50 Jahren der Abwesenheit aus diesem Land von Polen erzählen lassen. Der Referentin sagte u.a.: „Nutzen wir also die Gelegenheit, dieses interessante Stück deutscher Kultur und Geschichte kennen zu lernen. Vielen Deutschen ist Schlesien heute unbekannter als der Mond. Lassen Sie uns einen Schritt nach vorn tun und dieses geistig-kulturelle Erbe wieder in unseren geistigen Besitz bringen, in den Besitz der Landeshuter, der Wolfenbütteler, der Schlesier und aller Deutscher.“

Die musikalische Umrahmung der Feierstunde lag in den Händen der Kapelle „Zam Jürges“ und des Männergesangvereins „Juliusstadt“ unter der Leitung von Jürgen Schrader, der zwei Morgenlieder intonierte und mit dem Lied „Heimat oh Heimat“ aufwartete. Die festliche Stunde klang aus mit der 3. Strophe des Deutschlandliedes.

Zum Schlesischen Heimatnachmittag war dann die Lindenhalle bis auf den letzten Platz gefüllt. Großen Anklang fanden die Verkaufsstände im Foyer mit Bunzlauer Keramik, schlesischen Wurstwaren, ebenso wie eine Sonderausstellung mit Dokumenten zur schlesischen Geschichte von Herbert Geisler, Salzgitter-Ringelheim.

1996 - Heimatnachmittag in der Lindenhalle.

1996 - Karl Vogt verabschiedet die Gäste aus Landeshut.

Im großen Saal traten dann noch einmal die Kindertrachtengruppe vom „Rübezahl“ und die Kinderviolinengruppe des Landeshuter Lyzeums auf, ehe sie unter dem großen Applaus der Zuschauer vom Vorsitzenden des Arbeitskreises verabschiedet wurden. Für die weitere Unterhaltung sorgte dann das Trio „Zam Jürges“ und es blieb noch viel Zeit für anregende Gespräche, ehe man sich mit dem Wunsch, sich an gleicher Stelle gesund und munter in zwei Jahren wiederzusehen, herzlich voneinander verabschiedete.

31. Landeshuter Kreisheimattreffen am 4. und 5. Juli 1998

Alle Vorbereitungen in der Lindenhalle waren getroffen, das 31. Landeshuter Kreisheimattreffen konnte beginnen. Trotz des guten Wetters und der allseits guten Laune ließ sich nicht verkennen, dass die Teilnehmerzahl gegenüber dem letzten Treffen um fast ein Drittel gesunken war. Man zählte am Ende neben den geladenen Gästen noch 620 Besucher.

1998 - Festplakette zum 31. Landeshuter Kreisheimattreffen.

Wie in den Jahren zuvor begann die Veranstaltung mit dem Treffen der ehemaligen Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen von Landeshut und Liebau im Gesellschaftsraum der Lindenhalle. Wohl an die 60 Personen trafen sich zu regen Gesprächen und dem Auffrischen von Erinnerungen an die alten Lehrerinnen und Lehrer.

Am späten Vormittag fand eine Pressekonferenz statt, bei der das neue Landeshuter Heimatbuch vorgestellt wurde. Der Autor ist der Deutschlehrer am dortigen Lyzeum Jan Lubieniecki, der zusammen mit seiner Frau Barbara, ebenfalls Deutschlehrerin in Kamienna Góra, Gast des Heimattreffens war. Das Buch erschien in einer deutschen Übersetzung im Jahre 2008 in der Schriftenreihe des Arbeitskreises Landeshut als Band 3 und ist immer noch erhältlich.

Ab 15.00 Uhr fanden sich dann immer mehr Heimatfreunde in der Lindenhalle ein und nahmen ihre Plätze im großen Saal ein. Gleichzeitig begann in einem Nebenraum eine Gesprächsrunde der katholischen Peter-u.-Paul-Gemeinde Landeshut unter der Leitung von Kons.Rat und Pfarrer i. R. Wolfgang Gottstein, Freudenstadt-Kniebis.

1998 - Karl Vogt, der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut begrüßt die Besucher des Heimattreffens.

Kurz nach 19.00 Uhr begann der Eröffnungsabend des Heimattreffens in der Lindenhalle und der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut Karl Vogt begrüßte die anwesenden Heimatfreunde sehr herzlich. Er dankte dem Steinmetzunternehmen Kraft, das das Landeshuter Denkmal kostenlos zum 45. Jahrestag seiner Aufstellung restauriert hatte. Dann hieß Vogt die geladenen Gäste willkommen, unter ihnen das Ehepaar Jan und Barbara Lubieniecki, das der Einladung des Arbeitskreises Landeshut gefolgt war und die lange Reise von Landeshut nach Wolfenbüttel auf sich genommen hatte. Magistra Barbara Mrozek-Lubieniecka übermittelte dann ihrerseits die Grüße aus Landeshut und dankte herzlich für die Einladung zum Landeshuter Heimattreffen.

1998 - Frau Barbara Lubieniecka dankt für die Einladung und übermittelt Grüße aus Landeshut. Jan Lubieniecki und Pastor Reinhard Leder (von links).

Weitere Ehrengäste waren der erste stellvertretende Bürgermeister Dr. Manfred Fild, der stellvertretende Landrat Rainer Hasselmann, Oberkreisdirektor Dr. Hartmut Koneffke, Landtagsvizepräsident Ernst-Henning Jahn, der niedersächsische Landesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien und ehemalige Bundestagsabgeordnete Helmut Sauer (CDU), der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien Dr. Herbert Hupka, der BdV-Kreisgeschäftsführer Otto Kunath.

Der stellvertretende Landrat Hasselmann bezeichnete die Erinnerung an die Heimat als wichtig und forderte die Zuhörer auf, bei Besuchen im heutigen Polen Brücken zu schlagen und Freundschaften zu knüpfen. Dr. Manfred Fild, erster stellvertretender Bürgermeister der Stadt Wolfenbüttel, erklärte: „Sie haben eine Patenstadt gewollt, und wir haben sie gern angenommen.“ Otto Kunath, der BdV-Kreisgeschäftsführer, würdigte die Aufbauarbeit der Vertriebenen und Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg und verwies auf die verbriefte Absage an Rache und Vergeltung für Vertreibung und Enteignung.

Es folgte nun ein volkstümliches Liederprogramm mit Rektor i.R. Norbert Wagner, Bad Gandersheim, und dem Gandersheimer Dreigesang unter dem Motto „Schlesien singt“. Für die weitere musikalische Unterhaltung am späteren Abend sorgte das Duo „Zam Jürges“.

Der Sonntag begann wie üblich mit den Heimatgottesdiensten. Die katholische Gemeinde versammelte sich zum Hochamt in der St.-Petrus-Kirche. Begleitet von den heimatlichen Kirchenliedern zelebrierte und predigte Kons.Rat und Pfarrer i.R. Wolfgang Gottstein, Freudenstadt-Kniebis. In der evangelischen St.-Trinitatis-Kirche fand der Gottesdienst mit der altpreußischen Liturgie statt. Die Liturgie lag in den Händen von Pastor i.R. Reinhard Leder, Hameln, und die Predigt hielt Diakon Karl-Heinz Wehner, Oldenburg. Der Gottesdienst endete mit dem gemeinsamen heiligen Abendmahl.

1998 - Pfarrer i.R. Wolfgang Gottstein, Dr. Herbert Hupka und Karl Vogt bei der Feierstunde auf dem Landeshuter Platz.

Hinter der St.-Trinitatis-Kirche versammelte man sich anschließend zur Heimatfeierstunde. Nach der Einleitung mit der ersten Strophe „Kehr ich einst zur Heimat wieder“ begrüßte der Vorsitzende des Arbeitskreises Landeshut Karl Vogt die Ehrengäste, an erster Stelle als Festredner den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien Dr. Herbert Hupka. Nachdem das Landeshuter Heimatlied verklungen war, ergriffen die Ehrengäste das Wort, um die Grüße von Stadt und Kreis Wolfenbüttel sowie des Bundes der Vertriebenen auszusprechen. Es folgte die Totenehrung mi der Kranzniederlegung. Dazu hörte man das Geläut der Glocken vom Kloster Grüssau und das Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden …“. Begleitet wurden die Abordnungen von der Trachtengruppe Salzgitter-Thiede. Die  Feierstunde wurde musikalisch umrahmt vom Frauenchor und dem Männergesangverein Linden.

1998 - Frauenchor und MGV Linden.

In seiner Festansprache erinnerte Dr. Herbert Hupka an den damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Edelhard Rock, der sehr viel für Landeshut getan hatte und jetzt 90 Jahre alt geworden wäre. Nicht nur die Vertriebenen, sondern alle Deutschen müssten sich zur Heimat bekennen, verlangte der Redner. Er beklagte das Fehlen von Betroffenheit vieler Menschen beim Gedanken an die Vertriebenen und an die Solidarität mit denen, die ihre Heimat verloren haben. „Wir werden auch weiterhin Breslau, Hirschberg und Landeshut in deutscher Sprache sagen“, bekundete Dr. Hupka. Gleichzeitig forderte er die Politiker auf, mit den polnischen Nachbarn zu reden, denn auch die Vertriebenen seien für ein freies Polen als Mitglied der Europäischen Union in einem freien Europa.

1998 - Dr. Herbert Hupka bei seiner Festansprache.

„Wir werden nicht zusehen, wie die Städte dort verfallen und es den Menschen schlecht geht, denn immerhin waren diese Gebiete im heutigen Polen einmal unsere Heimat“, rief er den Zuhörern zu. Es könne nicht angehen, dass 700jährige deutsche Geschichte jetzt vergessen werde. Deshalb sei es erforderlich, dass die Jugend das Erbe Schlesiens von ihren Eltern übernehmen und pflegen müsse. Der Beifall der anwesenden Heimatfreunde war ihm gewiss. Die Feierstunde klang mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne aus.

1998 - Besucher der Feierstunde.

Nach der Feierstunde trafen sich Dietmar Rock, Helmut Sauer, das Ehepaar Lubieniecki und Karl Vogt mit Dr. Herbert Hupka auf Einladung des Landkreises Wolfenbüttel im Parkhotel „Altes Kaffeehaus“ zu einem Essen und Gesprächen, die sich auf das neue Landeshuter Heimatbuch bezogen. Dabei wurde erörtert, wie man zu einer günstigen Übersetzung und einer eventuellen Drucklegung kommen kann.

Inzwischen hatte sich der Saal der Lindenhalle gefüllt. Dr. Herbert Hupka und Helmut Sauer nahmen die Gelegenheit wahr, um auch hier den versammelten Heimatfreunden aus Stadt und Kreis Landeshut einen kurzen Besuch abzustatten. Auch der Bundestagsabgeordnete Wilhelm Schmidt (SPD) war erschienen, um den Landeshutern ein Grußwort zu entbieten.

Der Nachmittag stand dann unter dem Motto „Weeßte noch“ ganz im Zeichen des gemütlichen Beisammenseins und der gemeinsamen Gespräche. Dezent untermalt wurde die Veranstaltung von bekannten volkstümlichen Weisen, gespielt vom Duo „Zam Jürges“. Gegen Abend löste sich die Veranstaltung allmählich auf und man trat die Heimreise.

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