Geschichte des Arbeitskreises

Die Gründung des Arbeitskreises Landeshut geht auf das Jahr 1950 zurück und ist eng verbunden mit dem Initiator und Herausgeber des „Schlesischen Gebirgsboten“, Edelhard Rock aus Schömberg, Kreis Landeshut.

Edelhard Rock, 1908 – 1985

Geboren wurde Edelhard Rock am 7. Januar 1908 in Landeshut. Später zog die Familie nach Schömberg, Kreis Landeshut. Dort gründete Rock eine Druckerei und gab eine Zeitung, das „Schömberger Tageblatt“ heraus. Nach der Vertreibung der Familie und seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft gründete er 1949 in Groß Denkte, Kreis Wolfenbüttel, den „Grenzland-Verlag Rock & Co“. Im gleichen Jahr gab er als Verleger und Herausgeber das Heimatblatt der Landeshuter aus Stadt und Kreis, den „Schlesischen Gebirgsboten“ heraus. Druckerei und Verlag des „Grenzland-Verlages“ verlegte Rock 1965 nach Wolfenbüttel.

Auf Initiative von Edelhard Rock fand 1950 das erste Landeshuter Heimattreffen und damit verbunden die Gründung des Arbeitskreises Landeshut in Wolfenbüttel statt. Seiner Initiative ist es auch zu verdanken, dass im Jahr 1951 die Gremien der Stadt Wolfenbüttel und 1952 der Landkreis Wolfenbüttel die Übernahme der Patenschaft für die Vertriebenen aus Stadt und Kreis Landeshut beschlossen. Im Raum Braunschweig – Wolfenbüttel lebten damals viele ehemalige Landeshuter.

Die neun Gründungsmitglieder aus der Stadt und dem Landkreis Landeshut, unter dem Vorsitz von Edelhard Rock, hatten sich zunächst vor allem die Vorbereitung und Durchführung der Landeshuter Kreisheimattreffen in Wolfenbüttel zur Aufgabe gemacht. Viele weitere wichtige Aufgaben kamen im Laufe der Jahre hinzu.

1950 gehörten zu den Gründungsmitgliedern:

Edelhard Rock, ehemals Schömberg, Kreis Landeshut (Vorsitzender)

Helmut Lubig, ehemals Liebau, Kreis Landeshut

Heinz Kulke, Görlitz

Hans Münzer, ehemals Ruhbank, Kreis Landeshut

Heinrich Hoffmann, ehemals Oberkonradswaldau, Kreis Landeshut

Fritz Heinzel, ehemals Waldenburg/Schlesien

Paul Neumann, ehemals Landeshut

Richard Radetzki, ehemals Landeshut

Fritz Tannheuser, ehemals Konradswaldau

Im Jahr 2000 gehörten dem Arbeitskreis folgende Personen an:

Karl Vogt, Wolfenbüttel (Vorsitzender)

Hans Hanisch, Wolfenbüttel (stellv. Vorsitzender)

Dietmar Rock, Wolfenbüttel (Schatzmeister – 2005 verstorben)

Heinrich Hoffmann, Gr. Biewende, Kreis Wolfenbüttel (Gründungsmitglied)

Hans Maidorn, Wolfenbüttel (bis 2004)

Helmut Schneider, Braunschweig

Nael El Nahawi, Wolfenbüttel (Schatzmeister ab 2005)

Karl Vogt, 1928 – 2011

Nach dem Tod von Edelhard Rock im Jahr 1985 übernahm der gebürtige Landeshuter Karl Vogt den Vorsitz des Arbeitskreises und leitete ihn bis zum Februar 2007.

Zu seinem Nachfolger wurde Wolfgang Kraus aus Hildesheim bestimmt, der den Arbeitskreis bis 2016 leitete.  Mit ihm wurde erstmals ein „Nachgeborener“ berufen, dessen familiäre Wurzeln aber fest mit Landeshut verbunden sind. Karl Vogt blieb bis zu seinem Tod im Jahr 2011 Ehrenvorsitzender. Zwischen 2016 und 2018 wurde der Arbeitskreis von einem Kollegium, bestehend aus Sue Harmel, Andreas Reuschel, Johannes Rösner und Dirk Carolus Metzig, geleitet. Zur Zeit besteht der Vorstand aus drei Mitgliedern.

 

Im Jahr 2021 besteht der Arbeitskreis aus folgenden Mitgliedern: 

Lic. Dirk Carolus Metzig (1. Vorsitzender) 

Bernd Achilles, Wolfenbüttel

Agnieszka Dembska,  Landeshut (Vorstandsmitglied)

Ekkehart Haacke, Neuwied (Ehrenmitglied)

Sue (Ursula) Harmel, Verden (Kassenprüfer) 

Frank Haufe, Wolfsburg/Fallersleben Schriftführer (Vorstandsmitglied)

Andrzej Jasinski, Landeshut

Lic. Dirk Carolus Metzig  (1.Vorsitzender) 

J.  Rösner (2. Vorsitzender)

Ministerialrat a.D.Werner Reinhold

Roswitha Reinhold (Archiv)

 

Wolfenbütteler Memorandum 2020
Die Heimat im Herzen, die Zukunft im Blick – 70 Jahre Arbeitskreis Landeshut

Im Jahre 1950 konstituierte sich der Arbeitskreis Landeshut anläßlich des ersten Kreisheimattreffens der Heimatvertriebenen aus dem östlichen Riesengebirge in Wolfenbüttel und entwickelte sich sehr bald zu deren Interessenvertretung. In der unmittelbaren Folgezeit übernahmen 1951 die Stadt Wolfenbüttel für die Stadt Landeshut und 1952 der Kreis Wolfenbüttel für den Kreis Landeshut die Patenschaft.
Seit Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts knüpften einzelne Vertreter der
Vertriebenengeneration die ersten Bande zu den im Landeshuter Raum verbliebenen Deutschen, aber auch zu den dort mittlerweile seßhaft gewordenen Polen.
Die politische Wende in Polen ermöglichte 2001 eine vom Arbeitskreis Landeshut maßgeblich mitinitiierte Städtepartnerschaft zwischen Wolfenbüttel und Landeshut/Kamienna Góra. Damit endete in gewisser Weise ein in der Nachkriegszeit begonnenes Kapitel der Geschichte, und ein neues wurde eröffnet.
Bei allen Wandlungen im Verhältnis zum Osten hielten und halten uns bis heute Patenstadt und Patenkreis die Treue. Darüber hinaus gelang es dem Arbeitskreis, ein stabiles, dialogfreudiges und zunehmend vertrautes Verhältnis zu wichtigen politischen und kulturellen Entscheidungsträgern in der alten Heimat zu etablieren. Davon zeugen die Übergabe der Heimatstube als Dauerleihgabe an das Webereimuseum in Landeshut/Kamienna Góra im Jahre 2013 und die deutsch-polnische Feier des 40.
Kreisheimattreffens in Landeshut/Kamienna Góra im Jahre 2017.
So können wir nach 70 Jahren eine zufriedenstellende Bilanz ziehen. Gleichzeitig müssen wir aber auch der Tatsache Rechnung tragen, daß die sog. Erlebnisgeneration, die in den vergangenen Jahrzehnten
den Arbeitskreis geprägt und getragen hat, dafür nun nicht mehr zur Verfügung steht und die Nachkommen mehr und mehr in die Verantwortung gerufen sind. Das stellt uns vor die grundsätzlichen Fragen, ob nach 70 Jahren eine Weiterarbeit noch sinnvoll ist und welche Vision dieser zugrundeliegen könnte.
Diesen Fragestellungen haben sich die Mitglieder des Arbeitskreises Landeshut auf ihrer Sitzung am 18. 7. 2020 in Wolfenbüttel ausführlich gewidmet und sich in großer Einmütigkeit zu einer Weiterarbeit bekannt. Noch birgt das deutsch-polnische Verhältnis, im großen wie im kleinen, ein u. A. n. noch nicht voll ausgeschöpftes Verständigungspotential in sich. Gerade in den letzten Jahren häufen sich auf
Regierungsebene Mißverständnisse, aber auch unterschiedliche Vorstellungen einer gemeinsamen europäischen Zukunft. Davon ausgehende Gefährdungen für die schon erreichte Versöhnung zwischen Deutschen und Polen wollen wir im Blick auf das Landeshuter Gebiet verhindern. Wir lassen uns dabei von dem Gedanken leiten, daß die Begegnung von Mensch zu Mensch einer wirklichen Versöhnung am dienlichsten ist. Weiterhin glauben wir, daß die Menschen, deren Wurzeln in Stadt und Kreis
Landeshut liegen, und die Menschen, die sich dort nach dem II. Weltkrieg verwurzelt haben, einen natürlichen gemeinsamen Bezugspunkt besitzen, von dem sich ein ebenso gemeinsames Interesse an einer guten Entwicklung dieses Gebietes ableitet. Das uns einende Verbundensein mit einem kleinen Stück dieser Erde kann so im wahrsten Sinne des Wortes eine Polen und Deutsche verbindende „Weltanschauung“ stiften, in deren Lichte sich alle Unterschiede in der Lebensart relativieren. Deshalb
wollen wir in der Zukunft noch intensiver mit den polnischen Bewohnern im Landeshuter Gebiet zusammenarbeiten, zusammen feiern und uns so gegenseitig näherkommen. Dabei soll der Arbeitskreis Landeshut selber auch in sich und seiner Struktur dieses Näherkommen glaubwürdig verkörpern. So haben wir bereits damit begonnen, polnische Mitglieder in unsere Reihen aufzunehmen, und hoffen, dies auch in der Zukunft fortsetzen zu können, um so selbst zu einem deutsch-polnischen Forum zu werden.
Wir stellen in den letzten Jahren erfreut fest, wie sich die polnischen Bewohner mehr und mehr wirklich im Ostriesengebirge beheimaten und dabei die deutsche Vergangenheit als Teil ihrer eigenen ansehen. Dies wollen wir fördern und begleiten. Genauso notwendig erscheint uns ein dementsprechendes Bemühen unsererseits, die inzwischen 75-jährige polnische Gegenwärtigkeit im östlichen Riesengebirge als Teil der historisch gewachsenen Identität unserer Heimat zu bejahen, um aus dieser Akzeptanz heraus eine gemeinsame europäische Zukunft zu entwickeln. Dabei müssen wir bekennen, daß uns dort, wo unsere heimatlichen Wurzeln liegen, auch manches fremd geworden ist. Dieses Fremdsein wollen wir mit Hilfe unserer polnischen Freunde überwinden. Das wird umso besser gelingen, je stärker wir der polnischen Bevölkerung nicht nur als Touristen und Gäste willkommen sind, sondern in ihrem Lebenshorizont als Teil der gemeinsamen Heimat angesehen
werden. Dies wollen wir uns durch ungebrochenes Engagement für die gemeinsame Heimat und durch noch stärkeres Einfühlungsvermögen in die uns manchmal noch fremde polnische Lebenswelt erarbeiten.
Unser Tun soll aber nicht nur heimatlicher Selbstbezogenheit dienen, sondern im Dienste der Völkerverständigung insgesamt stehen. Dabei kommt in unseren Augen der deutsch-polnischen Freundschaft für die Verwirklichung des europäischen Gedankens eine hohe Bedeutung zu. Aus diesem Grunde ist uns die Städtepartnerschaft zwischen Wolfenbüttel und Kamienna Góra ein Herzensanliegen. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, uns nach Kräften in diese einzubringen und diese damit zu stärken. Danken möchten wir schließlich allen, die unsere Arbeit in den letzten 70 Jahren unterstützt haben, natürlich zuerst der Patenstadt und dem Patenkreis. Sie waren uns und unseren ausgetriebenen
Vorfahren eine zuverlässige Ersatzheimat. Das werden wir nicht vergessen! Im Bewußtsein bleibender Treue unserer Paten blicken wir nun stärker in den Osten. Wir tun dies ohne Bitterkeit, ohne nationalistische Revanchegelüste, ohne Ansprüche irgendwelcher Art, sondern in der Freude derer, die sehen, wie vieles sich in den letzten Jahren zum Guten gewandelt hat, und im Bewußtsein, dort auf eine immer größere Zahl von Freunden zu treffen, die unsere Heimatliebe verstehen, teilen und mit
uns gemeinsam eine gute Zukunft für die Stadt und den Kreis Landeshut/Kamienna Góra anstreben.

Wolfenbüttel, den 18. 7. 2020 Arbeitskreis Landeshut

 

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